Kirchenvisitation 1827

In Preußen waren regelmäßige Kirchenvisitationen gesetzlich vorgeschrieben. Im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin wird unter der Signatur I. HA Rep. A 181, Nr. 55911Der Aktenband wurde in den 1967 Jahren von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tagen verfilmt; der Mikrofilm ist über folgende Internetadresse frei zugänglich. Das Visitationsprotokoll findet sich auf den Bildern 23-31. das Protokoll einer Visitation verwahrt, die am 9. Mai 1827 in der katholischen Kirchengemeinde von Marzdorf stattfand.

Die Visitation wurde vom Offizial des Kreises Deutsch Krone, Joseph Dalski, durchgeführt, der dabei einen von der Regierung vorgegebenen Fragenkatalog zu beantworten hatte. Dem Protokoll der Visitation sind zwei Verzeichnisse der Kommunionskinder beigegeben, die Kirchenrechnungen fehlen hingegen. Nachfolgend werden Dalskis Antworten zur Situation der Marzdorfer Pfarre zusammengefasst.

Gebäude: Neben der Kommendarial-Kirche in Marzdorf bestanden in der Parochie die Filialkirchen in Lubsdorf und Brunk. Patron aller drei Kirchen war der Erbherr Kalixtus v. Grabski. Das Kirchengebäude in Marzdorf befand sich im guten baulichen Zustand. Die Lubsdorfer Kirche wurde hingegen im Juli 1825 »durch Feuer zerstört«. Der Brand »ruinierte« nahezu die feldsteinernen Grundmauern des Gebäudes und zerschmolz die beiden Glocken. Zum Zeitpunkt der Visitation waren die Grundmauern der Kirche bereits »mit Kalkanlage« ausgebessert und die Kirche war neu eingedeckt. Die Gemeinde hatte die zerschmolzenen Glocken in Alt Stettin umgießen lassen. Das hölzerne Gebäude der Brunker Kirche war »im haltbaren Zustande«. Der Kirchhof in Marzdorf war umzäunt und mit Bäumen besetzt. Auch der Zustand der Pfarrgebäude sei gut, befand Dalski, nur müsse das Dach des Pfarrhauses »nächstens umgelegt werden«.

Formalien: Die Kirchenbücher der Pfarrgemeinde wurden vom »Parochus loci«, dem Ortsgeistlichen, geführt und waren im ordnungsgemäßen Zustande. Für die Filialkirche in Brunk wird als Vermögen ein Pfandbrief über 100 Taler ausgewiesen, den der Schulze Mathias Storch verwahrte. Im Marzdorfer Pfarrarchiv befanden sich die Amtsblätter und Verfügungen der königl. Regierung »gehörig geordnet«. Für die Kirche zu Marzdorf wurden im verflossenen Jahr zwei Messbecher und ein Chorrock neu angeschafft; alle Kirchengerätschaften wurden reinlich in der Sakristei verwahrt.

Personen: Der Ortsgeistliche in Marzdorf hieß Conrad Busse, wurde 1780 in Rose in der »Intendantur Dt. Crone« geboren und hatte seine Ausbildung auf der Akademie und im Seminar in Breslau erhalten. Er war seit dem 17. Februar 1821 in der Parochie angestellt und der deutschen, der polnischen und der lateinischen Sprache mächtig. Einen Hilfsgeistlichen gab es nicht. Die Kirchenvorsteher wurden vom Patron, dem Pfarrer und der Ortsgemeinde »schon vor mehreren Jahren« gewählt. Es waren für Marzdorf der Freischulze Lorenz Morowski sowie Lorenz Neumann und Franz Radke; für Lubsdorf Johann Manthey und für Brunk der Schulze Mathias Storch. Der Kirchenvorsteher Anton Garski in Lubsdorf war im vergangenen Jahr »mit dem Tode abgegangen«; einen Nachfolger hatte man noch nicht erwählt. Der Organist der Kirche hieß Johann Neumann und war zugleich Schullehrer. Er wurde 1812 vom Patron, dem Pfarrer und der Gemeinde angestellt und 1822 von der königl. Regierung bestätigt.

Gottesdienst: Öffentlicher Gottesdienst fand in der Parochie an Sonn- und allgemeinen Festtagen vormittags um acht Uhr und nachmittags um zwei Uhr statt. Es wurde dabei aus den katholischen Gesangbüchern gesungen und deutsch gepredigt. Polnische Predigten fanden »niemals« statt. Der Gottesdienst wurde von der ganzen Ortsgemeinde mit wenigen Ausnahmen besucht. Für die jungen Leute fand an den Sonntagen Katechismus-Unterricht statt, an dem sich teilweise ganze Familien beteiligten. Nur an Wintertagen mit »gestrenger Witterung« wurde dieser Unterricht ausgesetzt. Die Frage nach Gottesdiensten an gewöhnlichen Wochentagen oder in der Fastenzeit beantwortete Dalski nicht.

Feste: In Marzdorf wurden das Fronleichnamsfest und das Kirchweihfest, in Lubsdorf das Johannis- und Michaelisfest, in Brunk das St. Jacobi-Fest am jeweils nächstfolgenden Sonntag feierlich begangen. Besondere Ablasstage kamen in der Parochie nicht vor, jedoch zogen am Fronleichnamstage die Gemeindemitglieder aus den Filialkirchen mit Bildern und Fahnen nach Marzdorf, um die »Prozession zu erheben«.

Gemeinde: Zu Ostern hatten in den Kirchen der Parochie 622 Kommunikanten die heilige Kommunion empfangen; lediglich zwei Gemeindemitglieder blieben aus. In den letzten 12 Monaten hatten 29 junge Menschen erstmals an der heiligen Kommunion teilgenommen, 14 junge Menschen wurden zum Zeitpunkt der Visitation vom Ortspfarrer auf den Empfang der Erstkommunion vorbereitet.

Der Pfarrer der Gemeinde besaß laut Dalski »das Vertrauen seiner Gemeinde«, er hatte zu deren Mitgliedern »zu jeder Zeit vertraulichen Zugang«. Beschwerden gegen ihn waren nicht vorgekommen.

Die nachfolgende Tabelle nennt die Namen der 29 Erstkommunikanten (A1 bis A29) und auch die der 14 jungen Menschen, die im Mai 1827 auf die Erstkommunion vorbereitet werden (B1 bis B14).

Nr.OrtNameVater/Mutter VornameStandKind VornameGeburtsdatumOrtBemerkung
A1MarzdorfRemerStephanHäuslerMartin02.02.1812Marzdorf
A2MarzdorfRiebschlägerJohannSchäferLorenz17.10.1812Marzdorf
A3MarzdorfKoltermannCatharinaWitweJohann06.12.1812Marzdorf
A4MarzdorfGarskeJosephEinwohnerAnna Maria16.02.1813Marzdorf
A5MarzdorfMittelstädtJohannHäuslerAnna13.09.1813Marzdorf
A6MarzdorfPiorekThomasTischlerRosa12.04.1812Marzdorf
A7DreetzMiranowskiJohannFörsterRosa20.02.1812Dreetzlebt beim Häusler Michael Litfin
A8BöthinNeumannJohannEinwohnerRosalia16.02.1813Marzdorf
A9KönigsgnadeKoltermannMartinBauerMartin10.05.1812Marzdorf
A10KönigsgnadeGarskeCatharinaWitweJoseph11.03.1812Marzdorf
A11KönigsgnadeWittCasimirKoßäthMartin21.09.1811Marzdorflebt beim Bruder Michael Witt
A12KönigsgnadeKluckMartinHirtCatharina17.02.1812Marzdorf
A13KönigsgnadeRemerJohannBauerCatharina09.04.1812Marzdorf
A14KönigsgnadeMollenhauerJohannBauerChristina31.01.1812Marzdorflebt beim Stiefv. Jacob Garske
A15KönigsgnadeGünterbergMichaelBauerAnna Maria24.08.1812Marzdorf
A16KönigsgnadeGarskeJacobBauerAnna28.08.1812Marzdorf
A17LubsdorfGarskeAntonLehrerJoseph05.04.1812Lubsdorf
A18LubsdorfRumpMariaWwe.Johann01.02.1812Lubsdorf
A19LubsdorfMantheiJohannBauerJohann20.08.1813Lubsdorf
A20LubsdorfSchulzJacobBauerJacob28.07.1812Lubsdorf
A21LubsdorfMantheiLorenzBauerChristian14.12.1812Lubsdorflebt beim Bauern u. Stiefv. Michael Schulz
A22LubsdorfSchulzCasimirHirtAnna08.01.1812Lubsdorf
A23LubsdorfSchulzMartinBauerAnna03.04.1812Lubsdorf
A24LubsdorfGarskeJohannBauerRosa31.01.1813Lubsdorf
A25BrunkNeumannMartinEinwohnerLorenz07.08.1812Brunk
A26BrunkSperlingJohannHäuslerJohann18.07.1812Brunk
A27BrunkSchulzJacobBauerJoseph25.03.1812Brunk
A28BrunkRadkeAnnaBauer-Wwe.Rosa27.04.1812Brunk
A29BrunkRemerJosephBauerMaria13.02.1812Brunk
B1MarzdorfGünterbergMartinKoßäthJohann13.02.1813Marzdorf
B2MarzdorfSchmittCasparEinliegerMartin13.10.1813Marzdorf
B3MarzdorfNeumannJosephStellmacherJoseph16.02.1813Marzdorf
B4MarzdorfLitfinJacobHäuslerMartin19.02.1812Marzdorf
B5MarzdorfKoltermannJohannEinliegerAnna Maria06.08.1813Marzdorf
B6MarzdorfLitfinJacobHäuslerJohann16.09.1813Marzdorf
B7Neu ProchnowRumpDorotheaWitweAnna Maria13.01.1815Neu Prochnow
B8HenkendorfSchulzJohannEinliegerJohann15.06.1813Marzdorflebt im Pfarrhaus in Marzdorf
B9BöthinHeymannChristianEinliegerMichael07.09.1813Bötien
B10KönigsgnadeLückJohannBauerMichael09.01.1814Marzdorf
B11KönigsgnadeWillAntonKoßäthRosa31.12.1813MarzdorfGeb.-Name = Neumann, A. Will ist der Stiefvater
B12LubsdorfSchulzJacobBauerLorenz28.07.1812Lubsdorflebt beim Bruder Martin Schulz
B13LubsdorfSchulzJosephKoßäthPeter12.07.1812Lubsdorf
B14BrunkKoltermannAnna MariaEinlieger-Wwe.Maria19.07.1813Brunk

Anmerkungen:

  • 1
    Der Aktenband wurde in den 1967 Jahren von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tagen verfilmt; der Mikrofilm ist über folgende Internetadresse frei zugänglich. Das Visitationsprotokoll findet sich auf den Bildern 23-31.

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