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200 Jahre Königsgnade

Königsgnade/Jamienko wurde 1820 gegründet und feiert dieses Jahr den 200. Jahrestag. Herzlichen Glückwunsch an das Dorf, das einst eines der schönsten im Landkreis Deutsch Krone war. 

Die Zeitung »Super Pojezierze« (Wałcz) brachte in ihrer Ausgabe vom 31.03.2020 ein Artikel zum Thema, den ich nachfolgend auf Deutsch wiedergebe. Ich danke Jarek Ciechanowicz, der mir den Artikel zur Kenntnis brachte.

200 Jahre Jamienko

Das grundlegende und wesentliche Werk für den Distrikt Wałecki ist in dieser Hinsicht das Kataster Ludwigs des Alten – im Volksmund bekannt als Landbuch. Dieses Verzeichnis der Dörfer, die im Gebiet der sogenannten Neuen Mark (deutsch: Neumark) liegen, wurde 1337 für Steuerzwecke erstellt; in ihm sind viele Orte erstmals genannt. Im Fall von Jamienko (deutsch Königsgnade) – einem Dorf in der Gemeinde Tuczno – liegt die Dinge jedoch anders und wir haben ein vollständigeres Bild von der Entstehung des Dorfes. Die Abfolge der Ereignisse beginnt in der Nachbargemeinde Marcinkowice. Das Gut in Marcinkowice fiel um 1808 durch Erbschaft an die Brüder Onufry und Kalikst Grabski. Die Brüder teilten den Besitz unter sich auf und begannen ihn zu bewirtschaften. Zeitgleich fanden in Preußen umfangreiche Agrarreformen statt (Edikt Friedrich Wilhelms III. vom 9. Oktober 1807). Der wichtigste und umstrittenste Punkt dieser Reformen war die Frage der Bauernbefreiung, d. h. die Abschaffung der bestehenden feudalen Abhängigkeit. Alle Phasen dieser Reform erwiesen sich als sehr kompliziert und sorgten für viele Kontroversen, die oft in Unruhe und Revolten mündeten.

Auf der Grundlage des Edikts vom 14. September 1811 wurden die Beziehungen zwischen Bauern und Gutsbesitzern neu geregelt. Die darin enthaltenen Regelungen sahen das Prinzip der vollen Entschädigung der erblichen Gutsherren durch die Bauern für die erlangten Eigentumsrechte und die Befreiung von feudalen Leistungen vor. Trotz aller Kontroversen schritt der Prozess der Bauernbefreiung unaufhaltsam voran und erreichte auch die Güter des Distrikts Wałecki. Hier war die Gründung von Jamienko das erste Ergebnis der Veränderungen in den Strukturen des Landbesitzes. Interessant ist, dass es aber auch noch andere Ursachen gab, die zur Entstehung von Jamienko beitrugen. Wie einer der Pfarrer von Marcinkowice in der Pfarrchronik schrieb: »Kalikst [Grabski] heiratete 1814 Ernestina Hartman, die Tochter des Verwalters von Tuczno. Sie war eine glühende Protestantin und befahl allen katholischen Bauern des Dorfes, an die Grenzen des Guts zu ziehen, wo Kalikst auf eigene Kosten eine neue Wohnsiedlung errichtete und alle Kosten des Umzugs übernahm.« Eine andere (deutsche) Version bestätigt die zitierten Ereignisse nicht und nennt ökonomische Gründe für die Entscheidung der Grabskis.

So wurde Jamienko geschaffen. Der Bau des neues Dorfes dauerte mehrere Jahre und war überschattet von mehreren Prozessen zwischen den künftigen freien Eigentümern und Kalikst Grabski. In den Prozessen ging es um eine Vielzahl von Themen, aber es muss sich um wichtige Auseinandersetzungen gehandelt haben, da sie vor Gericht endeten. Die vollständige Trennung fand am 25. März 1820 statt – seit diesem Tag können wir von der Gründung von Jamienko sprechen. Ursprünglich hieß die Siedlung Neu Marzdorf, später einfach Neues Dorf, aber schließlich wurde sie auf Wunsch eines gewissen Ehlert – des mit der Umsiedlungsaktion beauftragten Kommissars – Königsgnade benannt. Das Dorf wurde von neunzehn freien Bauern und sechs sogenannten Kossäthen (einkommensschwachen Häuslern oder Gärtnern) zusammen mit ihren Familien bewohnt. Alle Verpflichtungen gegenüber den Parteien wurden sehr detailliert niedergeschrieben und zahlreiche Sondervereinbarungen getroffen. Für den Fall der Nichteinhaltung des Vertrages durch eine der Parteien wurde eine Entschädigung vereinbart. Aus den Erinnerungen der Vorkriegsbewohner von Jamienko wissen wir, dass die Gemeinschaft des Dorfes sehr stark miteinander verbunden war. Die Einwohner bezahlten mit ihrer harten Arbeit für die Freiheit, auf ihrem eigenen Land zu wirtschaften. Zu bestimmten Zeiten schwankte die Bevölkerung von Jamienko um 250 Personen, was eine recht beachtliche Zahl ist.

Zweihundert Jahre lang gelang es den Einwohnern nicht, eine eigene Kirche zu bauen, aber sie durften einen Friedhof anlegen, auf dem bis 1945 Bestattungen durchgeführt wurden. Später wurde eine Schule gebaut, ein Gebäude für die Feuerwehr und sogar zwei Windmühlen, um das geerntete Getreide zu mahlen. Die Nachkommen der deutschen Einwohner von Jamienko erinnern sich noch daran, dass 1920 der 100. Jahrestag der Dorfgründung mit einem Festumzug und mehreren Feierlichkeiten begangen wurde. Für die hart arbeitende Gemeinschaft war es ein großer Erfolg, dass sie hundert Jahre lang bestehen konnte. Immer wieder hatten sich die Bewohner neuen Situationen anpassen müssen; sie überstanden viele Widrigkeiten, wurden durch erhebliche Steuern belastet und mussten sich immer wieder an neue Vorschriften und Lebensbedingungen gewöhnen.

Super Pojezierze vom 30.03.2020

Archiv 5 »Aus vergilbten Heimatbriefen« erschienen

Archiv 5In der Schriftenreihe Das Archiv ist heute die Nummer 5 erschienen. Die Nummer enthält Aufsätze von Heinrich und Hubert Rehbronn, Adalbert Garske und Paul Drews, die vor über 60 Jahren im Deutsch Kroner Heimatbrief publiziert wurden.

Eine zweites Nummer mit Aufsätzen von Max Garske (Neu Prochnow) soll bald erscheinen.

Die Nummer 5 des Archivs kann hier heruntergeladen werden.