Ein Ringwall am Marzdorfer Brausee

Marzdorf Messtischblatt 1937

Am Rande des Brausees von Marzdorf (Marcinkowice) ist ein mittelalterlicher Ringwall entdeckt worden. Der Wall liegt am westlichen Ufer des zweieinhalb Hektar großen Sees und besteht aus einer kegelförmigen Erhebung und einer Vorfläche, die ehedem wohl zu Siedlungszwecken genutzt wurde. Der Regionalforscher Robert Kraszczuk hat den Fund in dem Buch Z przeszłości Tuczna i okolic (Aus der Vergangenheit von Tütz und seiner Umgebung) dargestellt, das in diesem Frühjahr erschienen ist. Der Ringwall am Brausee wurde bislang archäologisch nicht untersucht, aber schon nahe an der Oberfläche finden sich Schlacken, Ziegelbruchstücke und Brandreste. Der Brausee in Marzdorf heißt heute Marcinkowice Małe, wird aber von den Einheimischen Parkowy genannt, weil er am Rand des früheren Gutsparks liegt.

Robert Kraszczuk berichtet, dass in den letzten Jahren durch den Einsatz von LiDAR-Laserscanning-Geräten in Pommern etwa 200 solche Wälle entdeckt wurden. Schon seit 1926 ist ein zweiter Ringwall bekannt, der zwischen Marzdorf, Lubsdorf und Knakendorf am Westufer des Kleinen Reetzsees liegt. Der Studienrat Karl Sandt (* 12.09.1883 in Lengwethen, Krs. Ragnit; von 1914 bis 1928 Geschichtslehrer am Gymnasium in Deutsch Krone) berichtete über diese »Sumpfburg« 1927 in den Grenzmärkischen Heimatblättern (2. Teil, S. 103 f.). Sandt zählte damals 14 Ringwälle im Kreis Deutsch Krone, deren Entstehung er auf das 6. bis 11. Jahrhundert datierte. Er berichtete, dass die Wälle mannigfaltige Formen aufweisen und bei Grabungen oft mehrere Kulturschichten entdeckt werden. Die Mehrzahl der Wälle waren nach seiner Ansicht gleichzeitig Herrensitze und Fliehburgen, denn im frühen Mittelalter kam es im Deutsch Kroner Land immer wieder zu Auseinandersetzung zwischen Pommern und Polen. Manche der Wälle, deren bekanntester der Schlossberg am Böthinsee ist, wurden bis ins 14. Jahrhundert hinein genutzt.

Robert Kraszczuk findet die Lage des Ringwalls am Rande des Marzdorfer Gutsparks besonders interessant. Er schreibt: »Wir können wohl davon ausgehen, dass die Adelsfamilien am Anfang solche Verteidigungsplätze hatten und mit der Zeit ihre Residenzen erweiterten.«

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Das Buch Z przeszłości Tuczna i okolic enthält neben dem Artikel über den Marzdorfer Ringwall auch Darstellungen der Dörfer Spechtsdorf, Marthe und Mehlgast, einen Beitrag über jüdische Familien in Tütz und über die Familie Rée in Stibbe. Es ist mit Unterstützung der Gemeinde Tuczno erschienen und wird herausgegeben von der Regionalne Towarzystwo Historyczne Ziemi Wałeckiej (Regionalen Historischen Gesellschaft des Deutsch Kroner Landes) unter Leitung von Przemysław Bartosik. Alle Artikel in dem sehr empfehlenswerten Buch sind liebevoll illustriert.

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