Beiträge zur Regionalgeschichte und Genealogie des Marzdorfer Landes

Das Ackerland am Prüska

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 11 (1836-1882)

Der neunte Beitrag in der Serie über die historischen Grundakten von Marzdorf behandelt kein bäuerliches Grundstück, sondern ein etwa 640 Morgen großes Stück Acker- und Weideland, das zwischen Lubsdorf, Harmelsdorf und Boethin belegen war. Gegen Harmelsdorf hin wurde das Land vom Laubwald des Prüska begrenzt, der bereits zum Besitz des Ritterguts Stibbe gehörte.1Der Prüska (oder Priska), den Willy Retzdorff im April 1876 für den preussischen botanischen Vereins erforschte, bot eine vielfältige Flora. W. Retzdorff: Bericht über die Flora des Kreises Deutsch-Krone. In: Schriften der Physikalisch-Ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg, 18. Jahrgang, Königsberg 1878, S. 74.

Der Originaltitel der Akte, die heute im Archiwum Państwowe in Koszalin verwahrt wird, lautet: 

»Acta hypothecaria der Königl. Kreisgerichts-Commission zu Mrk. Friedland betreffend den hypothekarischen Zustand des zu Marzdorf belegenen Grundstücks Nro. 11.«2Sąd Obwodowy w Mirosławcu (Amtsgericht Märkisch Friedland): Marzdorf [Marcinkowice] Band I , Blatt 11, Besitzer: Marianne Puenther geb. Koppe, Laufzeit 1836-1882, Signatur 26/112/0/3/171 im AP Koszalin, Aktendeckel. – Im Folgenden zitiert als: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11.

Das älteste Dokument in der Akte ist ein Erbpachtvertrag den der Besitzer der Marzdorfer Güter, Carl Ferdinand Kloer, am 29. März 1836 in Märkisch Friedland mit dem Ökonom Julius Sehmsdorf schloss. Das betreffende Grundstück hatte jedoch schon drei Jahre zuvor in einer Anzeige im Amtsblatt der Regierung in Marienwerder Erwähnung gefunden. Dort inserierte Kloer unter dem Datum 25. März 1833:

»Ich beabsichtige, das im Wege der Regulirung von den Bauern von Lubsdorff abgetretene hinter dem sogenannten Prüsk-Walde belegene Land, aus 800 magd. Morgen bestehen, sammt der im Prüsk-Walde liegenden Weide, in Erbpacht auzutuhun und habe das Ganze zu dem Ende in Parzelen von 20 bis 50 magd. Morgen excl. der Weide eintheilen lassen.

Erbstandsgeld wird nicht verlangt und den Erbpächtern nur zur Bedingung gemacht, das Bauholz zu den Gebäuden von mir zu billigen Preisen zu kaufen, und das Kaufgeld sofort zu entrichten.«3Öffentlicher Anzeiger zum Amts-Blatt der Königl. Preuß. Regie- rung zu Marienwerder, Nr. 14. vom 5. April 1833, S. 122.

Inserat im öffentlichen Anzeiger des Amtsblatts vom 5. April 1833

Offenbar hatte dieses Inserat geringes Interesse gefunden, weshalb Kloer nun das gesamte – allerdings um 160 Morgen geschrumpfte Terrain – an nur eine Person vergab. Der Erbpächter Julius Sehmsdorf war am 4. Juli 1811 in Züsedom im Kreis Prenzlau geboren, also im Jahr 1836 gerade 25 Jahre alt. Er pachtete damals nicht nur das Ackerland am Prüska, sondern auch das 1600 Morgen große Vorwerk Boethin. Bereits im Jahr 1841 gab er seinen Besitz im Kreis Deutsch Krone wieder auf und erwarb den Freischulzenhof Podanin im Kreis Chodziesen, den er 1848 in der Preußischen Nationalversammlung vertrat. Sehmsdorf, der von 1858 bis 1870 auch dem Preußischen Abgeordnetenhaus angehörte, starb am 1. Februar 1899 in Chodziesen.4Todtenschau. In: Illustrirte Zeitung, Band 114, Nr. 2954, Leipzig, Berlin, 8. Februar 1900, S. 194.

Aber zurück ins Jahr 1836 … — Im Erbpachtvertrag heißt es wie im oben angeführten Inserat, das Landstück am Prüska sei »von den Bauern zu Lubsdorf bei Regulirung der gutsherrschaftlichen u. bäuerlichen Verhältniße zur theilweisen Abfindung der Gutsherrschaft von Marzdorf« abgetreten worden. Es werde begrenzt zum einen »durch den Stibbeschen Vorwerks-Acker«, zum anderen »durch den zu Stibbe gehörigen sogenannten Prueska-Wald«. Dem Marzdorfer Dominium stehe in jenem Wald die »Aufhütungs-Gerechtigkeit« zu.5Verhandelt Mk. Friedland den 29. März 1836. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 6 RS.

Titelseite des Erbpachtvertrages vom 29. März 1836

Als Erbstandsgeld wurden zwischen Kloer und Sehmsdorf 1000 Taler vereinbart, die Sehmsdorf bis »Johanni des Jahres« – also bis zum 24. Juni – zahlen sollte. Kloer versprach, diesen Betrag binnen drei Jahren »ad depositum der Königl. Landschafts-Direction zu Schneidemühl« einzuzahlen, um so die Pfandbrief-Schulden, die auf Marzdorf lasteten, zu reduzieren und »den Consens der gedachten Gläubigerin« zur Erbverpachtung zu erlangen.6A. a. O., Blatt 7 VS.

Der Erbpachtkanon wurde auf sehr niedrige 25 Taler festgesetzt, und sollte in zwei gleichen Raten jährlich jeweils zu Johanni und zu Weihnachten fällig werden. Es wurde festgelegt, dass nur der Erbpächter das Recht hatte, die Ablösung des Kanons zu verlangen, nicht aber der Verpächter.7A. a. O., Blatt 7 RS. Der Vertrag sah weiter vor, dass Sehmsdorf bei einer Weiterveräußerung des Ackerlandes am Prüska weder die Zustimmung von Kloer einholen, noch diesem ein Laudemium zahlen musste.8A. a. O., Blatt 9 VS. – Diese Zusage war für Kloer ungewöhnlich. Üblicherweise behielt er sich ein Vorkaufsrecht vor und verlangte bei Nichtwahrnehmung ein Laudemium von zehn Prozent des Kaufpreises.

Die Übergabe des Pachtlandes wurde im Vertrag als bereits geschehen angenommen;9A. a. O., Blatt 8 VS. die auf dem Land haftenden Abgaben gingen zu Johanni des Jahres auf Sehmsdorf über, der auch Vertragskosten übernahm.10A. a. O., Blatt 9 VS. Kloer stimmte ausdrücklich zu, das an Sehmsdorf überlassene Grundstück aus dem Hypothekenbuch der Marzdorfer Güter abzuschreiben, und dass

»der Besitztitel jener Erbpachtsgerechtigkeit in dem neu anzulegenden Hypo[theken]-Buche, welches von dem Patrimonial Gericht in Marzdorf geführt werden soll, eingetragen werde.«11A. a. O., Blatt 8 VS.

Am 20. April 1836 genehmigte die Ehefrau Kloers, Charlotte Friederike geborene von Bardeleben den Erbpachtsvertrag,12Verhandelt zu Marzdorff am 20. April 1836. In: A. a. O., Blatt 67 VS. wobei sie gleichzeitig ihre Zustimmung zur Vererbpachtung des Vorwerks Böthin an Sehmsdorf gab. In diesem Fall belief sich das Erbpachtsgeld auf 2000 Taler und der jährliche Kanon auf 500 Taler.13Schreiben des Oberlandesgerichts an das Patrimonialgericht in Marzdorf vom 27. Februar 1837. In: A. a. O., Blatt 23 VS. Nur einen Monat später, am 27. Mai 1836, vergab Kloer auch das Vorwerk Dreetz gegen ein Erbstandsgeld von 1500 Taler und einen Kanon von 200 Taler an den Amtmann George Christian Moritz Zehden aus Denzig im Kreis Dramburg.14T. Soorholtz: Dreetz am Böthinsee. Ein Gut im Kreis Deutsch Krone in den Jahren 1836 bis 1945, Köln 2024, S. 21. Innerhalb von wenigen Wochen wurden damit fast 5000 Morgen Land vom Marzdorfer Besitz abgetrennt und dafür lediglich 4500 Taler eingenommen. 

Am 22. April 1837 trug das Oberlandesgericht in Marienwerder die Vererbpachtung des »hinter dem Prueska-Walde belegenen […] Acker-Terrains« als Protestation in das Hypothekenbuch der Marzdorfer Güter ein, da die Abschreibung »in Ermangelung eines Unschädlichkeits-Attestes und einer Erklärung der Realgläubiger« nicht bewirkt werden konnte.15Schreiben des Oberlandesgerichts vom 22. April 1837. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 27 VS.

Kloer zahlte das Erbstandsgeld für das Ackerland am Prüska nicht wie versprochen bis zum Johannistag 1839, sondern erst im Jahr 1841 an die Westpreußischen Landschaft, die daraufhin am 14. November 1841 ihren Konsens zur Abschreibung gab.16Schreiben der Westpreußischen Landschafts-Direction in Schneidemühl vom 14. November 1841. In: A. a. O., Blatt 68 VS. Zu dieser Zeit hatte Sehmsdorf den Kreis Deutsch Krone bereits verlassen und seinen Besitz an Carl Friedrich Kannenberg verkauft. Die entsprechenden Kaufunterlagen fehlen in der Grundakte Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 12 – die in diesem Zusammenhang auf die Hypothekenakten von Boethin verweist –;17Vermerk. In: A. a. O., Blatt 10 VS. aus der Genealogie der Familie Kannenberg ist jedoch bekannt, dass der 1778 in Rützenhagen geborene Carl Friedrich Kannenberg Boethin für seinen Sohn Hermann Kannenberg (1818-1892) erwarb. Der Vater selbst besaß seit 1827 das etwa 560 Hektar große Gut Kratzig im Kreis Regenwalde.18Kannenberg Ⅰ. In: Deutsches Geschlechterbuch, Band 67 (Pommersches Geschlechterbuch, Band 2), hrsg. von B. Koerner, Görlitz 1929, S. 275-312, hier S. 283-285.

Kurze Zeit später verkaufte Carl Friedrich Kannenberg das Land am Prüska weiter an Ernst Koerner (1794-1856), dem seit 1817 die benachbarte Herrschaft Stibbe gehörte.19Auch Stibbe war ein väterliches Geschenk, siehe dazu: Familiengeschichtliche Beiträge, In: Der Wappensammler, 1. Jahrgang, Nr. 3, Kahla, September 1900, S. 39. Im Kaufvertrag, der am 16. Februar 1842 auf dem Vorwerk Boethin verhandelt wurde, wurde das Kaufgeld auf 2500 Taler festgesetzt, von denen 1500 Taler an Marien und 1500 Taler an Johannis bezahlt werden sollten.20Kaufvertrag vom 16. Februar 1842. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 40 VS. – Mit Marien ist Mariä Verkündigung am 25. März gemeint. Vom Verkauf ausgeschlossen blieb jedoch die »die sog[enannte] Bullenwiese, welche von dem Boethiner See u[nd] dem Prüska-Walde begrenzt wird«.21A. a. O., Blatt 39 VS. Sie und die Aufhütungsgerechtigkeit »zwischen dem Acker des Vorwerks Boethin und dem Boethiner See, so wie zwischen der […] Bullenwiese u[nd] dem Lubsdorfer Bauernacker« blieb dem Vorwerk Boethin erhalten.22A. a. O., Blatt 39 RS. Der Käufer übernahm trotzdem den »ganzen auf dem verkauften Erbpachtsgrundstück haftenden Kanon« von jährlich 25 Taler.23A. a. O., Blatt 40 VS.

Titelseite des Kaufvertrags zwischen Kannenberg und Koerner vom 16. Februar 1842

Die Übergabe des Grundstücks sollte mit Abschluss des Kaufvertrages vollzogen werden, in dem es weiter hieß: 

»Die Erbpachtsgerechtigkeit ist in dem Hypothekenbuche der Marzdorfer Güter noch nicht abgeschrieben; Verkäufer übernimmt, diese Abschreibung binnen Jahres-Frist auf seine Kosten zu bewirken und alle diejenigen Hindernisse hinwegzuschaffen, welche der Besitztitelberichtigung der Erbpachtsgerechtigkeit in dem neu anzulegenden Hypothekenbuche noch im Wege stehen.«24Ebenda.

Kannenberg konnte die Zusage einhalten, denn bereits am 3. April 1842 verwandelte das Oberlandesgericht in Marienwerder die im Hypothekenbuch vermerkte Protestation in eine »definive Eintragung«.25Schreiben des Oberlandesgerichts vom 3. April 1842 (1. Schreiben). In: A. a. O., Blatt 50 VS. Gleichzeitig forderte es das Marzdorfer Patrimonialgericht auf, von Sehmsdorf Kosten in Höhe von 8 Taler 19 Silbergroschen und einem Pfennig einzuziehen, die in der Angelegenheit seit 1836 angefallen waren.26Schreiben des Oberlandesgerichts vom 3. April 1842 (2. Schreiben). In: A. a. O., Blatt 55 VS. Das Patrimonialgericht, das zwischenzeitlich nach Tütz verzogen war, sandte die Kostenrechnung zuerst nach Märkisch Friedland, wurde aber am 2. September 1842 vom dortigen Magistrat belehrt

»daß der Gutsbesitzer Sehmsdorf jetzt in Podanin, Chodzieser Kreises im Großherzogthum Posen als Besitzer des dortigen Freischulzenhofes wohnt.«27Schreiben des Magistrats von Mk. Friedland vom 2. September 1842. In: A. a. O., Blatt 56 VS.

Ernst Koerner auf Stibbe wurde am 20. Mai 1842 vom Patrimonialgericht darüber benachrichtigt, ,dass »der Prüska von den Gütern Marzdorf abgeschrieben« sei. Unter Überreichung seines »Erwerbungsdocuments« könne er die »Berichtigung des Besitztitels« auf seinen Namen verlangen. Man erwarte seinen »desfallsigen Antrag«.28Entwurf des Schreibens an Koerner. In: A. a. O., Blatt 55 RS.

Koerner ließ sich Zeit. Er stellte den Antrag erst am 12. Dezember 1842 vor dem Gericht in Tütz,29Actum Tütz, 12. Dezember 1842. In: A. a. O., Blatt 60 VS. dass daraufhin das Grundstück auf Seite 161 des Marzdorfer Hypothekenbuchs verzeichnete und einen Hypothekenschein für Koerner ausstellte.30Hypotheken-Schein vom 2. März 1843. In: A. a. O., Blatt 61 VS. Die Kosten für beides beliefen sich auf neun Taler 21 Silbergroschen und sechs Pfennige.31Kostenrechnung (undatiert). In: A. a. O., Blatt 61 RS.

Im Hypothekenbuch wurde die Größe des Ackerlandes am Prüska mit 640 Morgen magdeburgisch eingetragen,32Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11. In: A. a. O., Blatt 2 VS. obgleich die Steuerverwaltung in Marienwerder für das Grundstück eine Größe von 709 Morgen 175 Quadratruten zu Grunde legte.33Schreiben der Regierung in Marienwerder vom 30. Oktober 1842. In: A. a. O., Blatt 58 VS. Die Größendifferenz verdeutlicht, dass Grundstücksgrenzen im damaligen Westpreußen keinesfalls exakt festgelegt waren und die Landeskatastrierung etliche Fehlstellen aufwies. Als »Contribution« für das Grundstück wurden jährlich zehn Taler fällig, die an die Kreiskasse in Deutsch Krone abzuführen waren.34Schreiben des Landratsamt in Deutsch Krone vom 7. November 1842. In: A. a. O., Blatt 58 VS.

Wie schon dargestellt, hob das preußische Ablösungsgesetz vom 2. März 1850 die Eigentumsrechte der Erbverpächter auf. Das Ackerland am Prüska wurde damit zu Koerners uneingeschränktem Eigentum, aber für den darauf lastenden Kanon hatte er eine Entschädigung zu zahlen, die am 29. März 1851 auf 500 Taler festgelegt wurde.35Ablösungsrezess vom 29. März 1851. In: A. a. O., Blatt 79 RS u. 80 VS. Diese 500 Taler sollten von der Rentenbank der Provinz Preußen in Form von Rentenbriefen an den Ablösungsberechtigten gezahlt werden, während der nunmehrige Eigentümer des Grundstücks 41 Jahre und einen Monat lang eine Amortisationsrente von 25 Taler in monatlichen Raten an die Rentenbank zu entrichten hatte.36A. a. O., Blatt 80 RS.

Obwohl Kloer das Rittergut Marzdorf bereits im Jahr 1847 an Franz Guenther verkauft hatte, galt er dem zuständigen Oeconomie-Commissarius Sommerfeldt in Deutsch Krone lange als Ablösungsberechtigter.37Schreiben Sommerfeldts an dass Kreisgericht in Deutsch Krone vom 21. März 1851. In: A. a. O., Blatt 72 VS. Kloer lebte inzwischen in Bause bei Maltsch in Schlesien, weshalb er seinen Sohn Anton zu den Verhandlungen entsandte, die in Brunk stattfanden. Anton Kloer praktizierte als Rechtsanwalt in Deutsch Krone; eine für ihn am 23. September 1849 in Berlin ausgestellte »Generalvollmacht« ist in der Akte vorhanden.38Verhandelt zu Berlin den 23. September 1849. In: A. a. O., Blatt 82 VS bis 84 RS.

Titelseite des Ablösungsrezesses vom 29. März 1851

Da es Kloer innerhalb von vier Jahren nicht gelang, sich als »Eigenthümer des abgelösten Kanons vom Prüska Lande« zu legitimieren, fiel die Ablösung an Franz Guenther, der den geschlossene Rezess am 16. April 1855 »in allen Punkten und Clauseln« genehmigte.39Verhandelt Dt. Crone, 16. April 1855. In: A. a. O., Blatt 85 RS. Nachdem am 10. Mai 1855 auch die Regierung in Marienwerder ihre Zustimmung erteilt hatte, wurde der Kanon am 7. März 1856 aus dem Grundbuch gelöscht und dafür die Verhaftung des Grundstücks gegen die Rentenbank eingetragen.40Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11. In: A. a. O., Blatt 3 RS u. 4 VS.

Der neue Eigentümer des Grundstücks, Ernst Koerner, war allerdings bereits am 20. Februar des Jahres in Stibbe verstorben.41Verhandelt Stibbe, 25. September 1857. In: A. a. O., Blatt 95 VS. Wie sich bei der Erbverhandlung am 25. September 1857 herausstellte, vermachte er seiner Witwe und den vier nachgebliebenen Kindern ein Vermögen von mehr als einer halben Million Taler, von dem rund 300 000 Taler auf Immobilien und 130 000 Taler auf Hypothekenforderungen und Staatspapiere entfielen. Neben dem Rittergut in Stibbe besaß Koerner auch ein Grundstück in Tütz, zwei Bauernhöfe in Mellentin, ein Vorwerk in Czarnikau, einen Kossätenhof in Ruschendorf sowie Acker- und Wiesenstücke in Harmelsdorf, Ruschendorf und natürlich Marzdorf.42A. a. O., Blatt 95 RS. Der Gutsherr hatte sich offenbar auch als Geldverleiher in großem Stil betätigt, denn zu seinen Schuldnern gehörte gleichermaßen Gutsbesitzer, Apotheker, Bauern, Krüger, Schmiede und Kolonisten in Deutsch Krone, Tütz, Mellentin, Ruschendorf, Strahlenberg, Stibbe, Klawittersdorf, Quiram, Drahnow, Trebbin, Zechendorf, Pilowmühle, Dziewierzewo, Stempuchowo, Schönlanke, Podanin, Chodziesen und Czarnikau.43A. a. O., Blatt 97 RS bis 113 RS. Die Aufstellung nennt u. a. die Namen Amtmann Jahns, Schmied Fenner und Paul Birkholz in Strahlenberg, Bauer Krüger und Krüger Schulz in Stibbe, Neumann und Rosenthal in Mellentin, Schulz, Schmidthaber und Jacob Pinksohn in Tütz, Kwade in Klawittersdorf, Hall in Quiram, Dithmar in Trebbin, Christian Grähn in Drahnow, Grützmacher in Deutsch Krone.

Ernst Koerner (1794-1856) und Emilie geb. Kegel (1806-1863) auf zeitgenössischen Porträts44Die Porträts wurden entnommen aus: Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien, Band 5, Berlin 1897.

Die Witwe Koerners, die aus Lebehnke stammende Emilie geborene Kegel (1806-1863), verfügte über eigenes Vermögen, das es ihr erlaubte, aus dem Erbe ihres Mannes den gesamten Immobilienbestand und zudem noch Forderungen im Wert von insgesamt rund 360 000 Taler zu übernehmen. Die Erbansprüche ihrer Kinder in der Höhe von jeweils 67 000 Taler erfüllte sie im Gegenzug aus eigenem Pfandbriefkapital und Hypothekenwerten.45Darunter waren u. a. Forderungen auf das Mikramsche Mühlengrundstück in Briesenitz und das Warnkesche Grundstück in Romanshof. A. a. O., Blatt 107 VS u. 108 VS. Bei der Erbteilung fungierte Landschaftsdirektor Adolph von Zychlinski auf Dyck als Vormund der minderjährigen Söhne Otto und Ernst Koerner.46A. a. O., Blatt 95 VS.

Am 3. Juni 1858 forderte die Gerichtskommission in Schloppe die Kommission in Märkisch Friedland auf, die Besitztitel der Grundstücke Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 11 und Blatt Nr. 17 auf die »Wittwe Koerner« abzuändern.47Schreiben der Kreisgerichtskommission in Schloppe. In: A. a. O., Blatt 3 RS u. 4 VS. Für das Ackerland am Prüska kam das Gericht der Aufforderung am 26. Juli des Jahres nach, wobei der 43 Seiten umfassende Erbvergleich in Abschrift zur Grundakte genommen wurde.48Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11. In: A. a. O., Blatt 2 RS. Den Wert des Grundstücks Blatt Nr. 17 hatte das Gericht in Schloppe auf 500 Taler, den des Grundstücks Blatt Nr. 11 auf 2500 Taler festgelegt. Für die Änderung des Besitztitels und die Fertigung der Abschriften wurden der neuen Eigentümerin 8 Taler 22 Silbergroschen Kosten berechnet.49Kostenrechnung vom 14. September 1858. In: A. a. O., Blatt 117 VS.

Drei Jahre später verkaufte Emilie Koerner die Herrschaft Stibbe an Ferdinand Rée aus Schwerin in Mecklenburg. Da auch das Ackerland am Prüska betroffen war, findet sich der historisch interessante Kaufvertrag vom 30. Oktober 1861 in dieser Grundakte.50Verhandelt Stibbe, 30. Oktober 1861. In: A. a. O., Blatt 121 VS bis 130 RS. – Zur Familie Rée siehe J. Ciechanowitz: Paul Rée – krótka historia życia filozofa ze Zdbowa. In: Z przeszłości Tuczna i okolic, Tuczno 2021, S. 47-59. Wie so häufig, wurde in diesem die genaue Größe der verkauften Ländereien nicht angegeben; dort hieß es lediglich, die Herrschaft Stibbe bestehe aus

  • Dorf und Vorwerk Stibbe (Nr. 286 des Hypothekenbuchs der adligen Güter);
  • Dorf und Vorwerk Strahlenberg (Nr. 289 desselben);
  • Dorf Mellentin (Nr. 172 desselben);
  • Dorf Ruschendorf (Nr. 241 desselben);

sowie dem Vorwerk Rohrwiese, dem Krug Rohrkolk, den Grundstücken Iretzerhufen Nr. 4, Harmelsdorf Nr. 25 sowie Ruschendorf Nr 13 und 28, die allesamt in »Pausch und Bogen ohne Gewährleistungen für einen bestimmten Flächeninhalt« verkauft wurden.51Verhandelt Stibbe, 30. Oktober 1861. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 121 VS u. RS. Der Prüska findet in folgendem Passus Erwähnung:

»Bemerkt wird schließlich noch, daß dem Herrn Käufer bekannt ist, daß in Betreff des Prüska mit dem Besitzer von Marzdorf ein Tauschgeschäft abgeschlossen worden ist.«52A. a. O., Blatt 129 RS.

Die Bedeutung dieser Satzes ist unklar, denn Dokumente zur einem Tauschgeschäft zwischen Frau Koerner und Franz Guenther sind in der Grundakte nicht vorhanden. Vermutlich wurde es nie gerichtlich vollzogen.

Titelseite des Kaufvertrags vom 30. Oktober 1861, der vor dem Notar Reinhold Hopp aus Deutsch Krone geschlossen wurde

Vom Verkauf ausgeschlossen blieb das herrschaftliche Hausmobiliar und das Hausgerät mitsamt Silberzeug, Gold, Gemälden, Kupferstichen, Wein und Büchern. Ebenfalls ausgeschlossen wurden vier Pferde, Kutschwagen, Kutschgeschirre und Sattelzeug.53A. a. O., Blatt 124 VS. Zudem reservierte sich Emilie Koerner die Nutzung des herrschaftlichen Wohnhauses in Stibbe bis zum 1. April 1862.54A. a. O., Blatt 126 VS.

Als Kaufpreis waren zwischen Emilie Körner und Ferdinand Rée 350 000 Taler verabredet, von denen 250 000 auf die Immobilien und 100 000 Taler auf die »mitverkauften beweglichen Gegenstände« entfielen.55A. a. O., Blatt 122 VS. Ursprünglich hatte Rée zugesagt, 175 000 Taler des Kaufpreises bar anzuzahlen, aber bei Vertragsschluss konnte er lediglich 100 000 Taler aufbringen.56A. a. O., Blatt 128 RS u. 129 VS. Er versprach, die fehlenden 75 000 Taler bis zum 31. Januar 1862 nachzuzahlen57A. a. O., Blatt 129 VS. und zudem für weitere 17 350 Taler auf Stibbe eingetragene westpreußische Pfandbriefe zu erwerben. Der überwiegende Teil der Kaufgeldes von 175 650 Taler sollte hypothekarisch auf die Herrschaft eingetragen und mit 4,5 Prozent verzinst werden.58A. a. O., Blatt 123 VS. Die problematischen Zahlungsbedingungen deuten darauf hin, dass es Emilie Koerner wohl nicht leicht gefallen war, überhaupt einen Käufer für ihren Besitz zu finden, der mit einer Größe von 17 742 Morgen die meisten anderen Güter im Kreis weit übertraf.59Statistisch-topographisches Adreß-Handbuch für Westpreußen, Danzig u. Elbing 1858, S. 195.

Ferdinand Rée hingegen fand offenbar den Kaufpreis von knapp 20 Taler pro Morgen als zu hoch. In einem Vertragsnachtrag, den er am 24. April 1862 in Schneidemühl mit dem Sohn Emil August Koerner verhandelte,60Verhandelt Schneidemühl, 24. April 1862. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 131 RS. gelang es ihm, den Preis einerseits um die noch nicht gezahlten 75 000 Taler zu reduzieren und anderseits den Verkaufsumfang zu erweitern. Verkauft wurde jetzt 

»aller Grundbesitz, welchen die Frau Verkäuferin im Kreise Deutsch Crone besessen, insbesondere auch die Grundstücke Mellenthin No. 16, 34 und 76 und Stibbe Nummer 23 […].«61Verhandelt Schneidemühl, 24. April 1862. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 131 RS.

Der von der Mutter bevollmächtigte Emil August Koerner erklärte sich zudem zu Änderungen der Zahlungsbedingungen bereit. Der Kauf der Pfandbriefe sollte jetzt erst »binnen Jahresfrist« stattfinden und der Kaufgeldrest von 157 000 Taler nicht hypothekarisch auf die gesamte Herrschaft Stibbe, sondern nur auf einzelne Teile eingetragen werden. Dabei sollten insgesamt 107 000 Taler auf die Dörfer und Vorwerke Stibbe und Strahlenberg und 50 000 Taler allein auf das – hier erstmals explizit erwähnte – Vorwerk Emilienthal entfallen.62A. a. O., Blatt 132 RS.

Der Sinn dieser Maßnahme liegt auf der Hand: Rée plante die Zerschlagung der eben erworbenen Herrschaft, um seinen Kapitaleinsatz rasch zu amortisieren. Der Verkauf von Teilen fiel selbstverständlich leichter, wenn sie nicht einer Gesamthaftung unterlagen. Die erworbenen Einzelgrundstücke sowie die Dörfer und Vorwerke Mellentin und Ruschendorf blieben auf diese Weise sogar gänzlich schuldenfrei.

Es verwundert daher nicht, dass Rée schon fünf Tage später einen Vertrag mit dem Marzdorfer Rittergutsbesitzer Franz Guenther abschloss, der den Verkauf folgender Grundstücke beinhaltete:

»Von dem Rittergute Stibbe das dazu gehörige Vorwerk Emilienthal sowie die zur Herrschaft Stibbe gehörige Hälfte des großen Boethin-Sees […]. [D]as zu Marzdorf belegene, im Hypothekenbuche von Marzdorf pagina 161 verzeichnete Grundstück von circa 700 Morgen [sowie den] abgesondert für sich liegende[n] Hinterplan des Kruggrundstücks Stibbe No. 1 von circa 220 Morgen […].63Verhandelt Stibbe, 29. April 1862. In: A. a. O., Blatt 140 VS u. RS.

Titelseite des Kaufvertrags zwischen Ferdinand Rée und Franz Guenther vom 29. April 1862

Mit dem »im Hypothekenbuche von Marzdorf pagina 161« verzeichneten Grundstück war natürlich das Ackerland am Prüska gemeint, das nun wieder in den Besitz des Marzdorfer Ritterguts gelangte. Der Kaufpreis für die drei Grundstücke wurde auf 85 000 Taler festgelegt – das war fast ein Drittel des Preises, den Rée für die Herrschaft Stibbe insgesamt bezahlt hatte.64A. a. O., Blatt 141 VS. Freilich war Guenther nicht daran interessiert, einen vollständigen Gutskomplex zu erwerben, ihm ging es lediglich darum, den Marzdorfer Besitz durch sinnvolle Zukäufe abzurunden. Der Erwerb von Emilienthal, wo eine Ziegelei zur Fabrikation von Steinen und Drainageröhren bestand,65A. a. O., Blatt 144 VS. war ein solcher Zukauf. Der Kauf des Vorwerks Boethin ein knappes Jahrzehnt zuvor war es ebenfalls.66Eine Aufstellung der Erwerbungen Guenthers findet sich im Beitrag über den Kluck’schen Bauernhof in Marzdorf.

Das vereinbarte Kaufgeld sollte so belegt werden, dass Guenther zu Johanni des Jahres 35 000 Taler an Emilie Koerner zahlte, um Rées Verbindlichkeiten aus dem Kauf von Stibbe zu reduzieren. Außerdem übernahm Guenther die Hypothekenschulden von 50 000 Taler, die aus dem Vertrag vom 24. April 1862 auf Emilienthal lasteten, als Selbstschulden.67Verhandelt Stibbe, 29. April 1862. In: A. a. O., Blatt 141 RS. Rée versprach hingegen, Emilienthal und das Kruggrundstück in Stibbe auf seine Kosten binnen sechs Monaten von allen im Hypothekenbuch aufgeführten Lasten und Verpflichtungen zu befreien.68A. a. O., Blatt 143 VS.

Eine genaue Größenangabe des Vorwerks Emilienthal sucht man im Kaufvertrag vergeblich, aber es wird der Viehbestand erwähnt, der aus zwölf Pferden, zehn Ochsen, zehn Kühen und 500 Schafen bestand.69A. a. O., Blatt 145 VS. Guenther musste akzeptieren, dass Rée in der kurzen Spanne seiner Eigentümerschaft 300 Zentner Eichenrinde aus dem Waldbestand von Emilienthal an der Gerber Michaelis in Deutsch Krone verkauft hatte und 

»daß den Stibber Hausinnen und Deputanten auf dem heute verkauften verkauften Hinterplan des Stibber Kruggrundstücks und auf dem Emilienthaler Acker Dung zu Kartoffeln gefahren ist und daß diesen Leute die diesjährige Kartoffelernte auf diesem Lande zusteht.«70A. a. O., Blatt 144 VS.

Am 10. Mai 1862 stimmte die Ehefrau von Ferdinand Rée, Jenny geborene Jonas, von Schwerin aus dem Kaufvertrag zu und bereits am 13. Juli des Jahres wurde Guenther von der Gerichtskommission in Märkisch Friedland als Eigentümer des Ackerlandes am Prüska in das Grundbuch eingetragen.71Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11. In: A. a. O., Blatt 2 RS. Für die Änderung des Besitztitels zahlte er am 17. Juli 1862 acht Taler und einen Silbergroschen.72Bearbeitungsbogen der Kreisgerichtskommission. In: A. a. O., Blatt 120 RS.

In den folgenden zwei Jahrzehnten blieb die Grundakte Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 11 unangetastet. Das nächste Dokument im Aktenfaszikel ist das Protokoll eines Ortstermins vom  9. Mai 1882, der zur »Ermittlung der Lage und Grenzen der in dem Grundbuche von Marzdorf Blatt Nro. 11 und 17 verzeichneten Grundstücke« angesetzt war.73Marzdorf, 9. Mai 1882 (Protokoll). In: A. a. O., Blatt 152 VS. Dort auch die Aufstellung der Teilnehmer. Teilnehmer waren Amtsrichter Zaehle aus Märkisch Friedland, Katasterkontrolleur Müller aus Deutsch Krone, die Rittergutsbesitzerin Mariane Guenther geborene Koppe aus Marzdorf und deren Gutsadministrator und Bevollmächtigter Feodor Smalian, die zum Ackerland am Prüska feststellten:

»Die Differenz von ca 41 Morgen, um welche das Grundstück nach dem Steuerbuch größer ist, als es nach dem Grundbuch groß sein soll, hat ihre ausreichende, bzw. richtige Erklärung in der Unbestimmtheit der Größenbezeichnung des Contractes vom 29. März 1836 […]«74A. a. O., Blatt 152 VS u. RS.

Größendifferenzen gab es auch bei Boethin, das nach dem Grundbuch lediglich 1600 Morgen umfassen sollte, in Wirklichkeit aber 1901 Morgen groß war, von den 1712 auf das Vorwerk selbst entfielen, 138 Morgen auf den Prüska-Wald und 51 Morgen auf den Wucknick-See.75A. a. O., Blatt 152 RS. Übereinstimmend gelangten die Teilnehmer zudem zu der Auffassung, dass das Ackerland am Prüska zwar in der Grundsteuer-Mutterrolle von Marzdorf geführt wurde, eigentlich jedoch »ein Bestandtheil des Gutes Emilienthal« war.76A. a. O., Blatt 152 VS.

Titelseite des Begehungsprotokolls vom 9. Mai 1882

Einen Tag später wurde das Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 11 vom Amtsgericht in Märkisch Friedland geschlossen und der gesamte Inhalt auf das »Grundbuch von Emilienthal Nr. 45« übertragen.77Bearbeitungsvermerk vom 10. Mai 1882 (auf dem Protokoll vom Vortag). In: A. a. O., Blatt 152 RS. Gleichfalls geschlossen wurde das Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 17, denn beim Ortstermin am Vortag war festgestellt worden, dass dieses Grundstück von 107 Morgen und 108 Quadratruten Größe, das zwischen der Chaussee von Ruschendorf nach Deutsch Krone und dem Stibber Forst lag, teilweise zum Rittergut Neu-Preußendorf und teilweise zu Rohrwiese gehörte.78A. a. O., Blatt 152 VS u. RS. Das letzte Dokument in der Akte ist eine Spesenabrechnung von Katasterkontrolleur Müller, der für die zurückgelegten 46 Kilometer bei seiner »Reise von Dt. Krone nach Marzdorf und zurück« Auslagen in Höhe von 27,40 Mark geltend machte.79Spesenabrechnung vom 10. Mai 1882. In: A. a. O., Blatt 155 VS.

Bei der Erbteilung nach dem Tod von Mariane Guenther fiel Emilienthal bekanntlich an den Sohn Arnold, der das Gut von 650 Hektar Größe im Jahr 1928 an Konrad Lehr in Klein Nakel verkaufte.80T. Soorholtz: Die Familie Guenther-Marzdorf. In: Das Archiv, Nr. 4, Köln, Juli 2013, S. 14. Das Ackerland am Prüska teilte als »Zubehör von Emilienthal« zweifellos dieses Schicksal.

Titelseite mit dem Übertragungsvermerk nach Emilienthal vom 10. Mai 1882

Anmerkungen:

  • 1
    Der Prüska (oder Priska), den Willy Retzdorff im April 1876 für den preussischen botanischen Vereins erforschte, bot eine vielfältige Flora. W. Retzdorff: Bericht über die Flora des Kreises Deutsch-Krone. In: Schriften der Physikalisch-Ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg, 18. Jahrgang, Königsberg 1878, S. 74.
  • 2
    Sąd Obwodowy w Mirosławcu (Amtsgericht Märkisch Friedland): Marzdorf [Marcinkowice] Band I , Blatt 11, Besitzer: Marianne Puenther geb. Koppe, Laufzeit 1836-1882, Signatur 26/112/0/3/171 im AP Koszalin, Aktendeckel. – Im Folgenden zitiert als: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11.
  • 3
    Öffentlicher Anzeiger zum Amts-Blatt der Königl. Preuß. Regie- rung zu Marienwerder, Nr. 14. vom 5. April 1833, S. 122.
  • 4
    Todtenschau. In: Illustrirte Zeitung, Band 114, Nr. 2954, Leipzig, Berlin, 8. Februar 1900, S. 194.
  • 5
    Verhandelt Mk. Friedland den 29. März 1836. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 6 RS.
  • 6
    A. a. O., Blatt 7 VS.
  • 7
    A. a. O., Blatt 7 RS.
  • 8
    A. a. O., Blatt 9 VS. – Diese Zusage war für Kloer ungewöhnlich. Üblicherweise behielt er sich ein Vorkaufsrecht vor und verlangte bei Nichtwahrnehmung ein Laudemium von zehn Prozent des Kaufpreises.
  • 9
    A. a. O., Blatt 8 VS.
  • 10
    A. a. O., Blatt 9 VS.
  • 11
    A. a. O., Blatt 8 VS.
  • 12
    Verhandelt zu Marzdorff am 20. April 1836. In: A. a. O., Blatt 67 VS.
  • 13
    Schreiben des Oberlandesgerichts an das Patrimonialgericht in Marzdorf vom 27. Februar 1837. In: A. a. O., Blatt 23 VS.
  • 14
    T. Soorholtz: Dreetz am Böthinsee. Ein Gut im Kreis Deutsch Krone in den Jahren 1836 bis 1945, Köln 2024, S. 21.
  • 15
    Schreiben des Oberlandesgerichts vom 22. April 1837. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 27 VS.
  • 16
    Schreiben der Westpreußischen Landschafts-Direction in Schneidemühl vom 14. November 1841. In: A. a. O., Blatt 68 VS.
  • 17
    Vermerk. In: A. a. O., Blatt 10 VS.
  • 18
    Kannenberg Ⅰ. In: Deutsches Geschlechterbuch, Band 67 (Pommersches Geschlechterbuch, Band 2), hrsg. von B. Koerner, Görlitz 1929, S. 275-312, hier S. 283-285.
  • 19
    Auch Stibbe war ein väterliches Geschenk, siehe dazu: Familiengeschichtliche Beiträge, In: Der Wappensammler, 1. Jahrgang, Nr. 3, Kahla, September 1900, S. 39.
  • 20
    Kaufvertrag vom 16. Februar 1842. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 40 VS. – Mit Marien ist Mariä Verkündigung am 25. März gemeint.
  • 21
    A. a. O., Blatt 39 VS.
  • 22
    A. a. O., Blatt 39 RS.
  • 23
    A. a. O., Blatt 40 VS.
  • 24
    Ebenda.
  • 25
    Schreiben des Oberlandesgerichts vom 3. April 1842 (1. Schreiben). In: A. a. O., Blatt 50 VS.
  • 26
    Schreiben des Oberlandesgerichts vom 3. April 1842 (2. Schreiben). In: A. a. O., Blatt 55 VS.
  • 27
    Schreiben des Magistrats von Mk. Friedland vom 2. September 1842. In: A. a. O., Blatt 56 VS.
  • 28
    Entwurf des Schreibens an Koerner. In: A. a. O., Blatt 55 RS.
  • 29
    Actum Tütz, 12. Dezember 1842. In: A. a. O., Blatt 60 VS.
  • 30
    Hypotheken-Schein vom 2. März 1843. In: A. a. O., Blatt 61 VS.
  • 31
    Kostenrechnung (undatiert). In: A. a. O., Blatt 61 RS.
  • 32
    Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11. In: A. a. O., Blatt 2 VS.
  • 33
    Schreiben der Regierung in Marienwerder vom 30. Oktober 1842. In: A. a. O., Blatt 58 VS.
  • 34
    Schreiben des Landratsamt in Deutsch Krone vom 7. November 1842. In: A. a. O., Blatt 58 VS.
  • 35
    Ablösungsrezess vom 29. März 1851. In: A. a. O., Blatt 79 RS u. 80 VS.
  • 36
    A. a. O., Blatt 80 RS.
  • 37
    Schreiben Sommerfeldts an dass Kreisgericht in Deutsch Krone vom 21. März 1851. In: A. a. O., Blatt 72 VS.
  • 38
    Verhandelt zu Berlin den 23. September 1849. In: A. a. O., Blatt 82 VS bis 84 RS.
  • 39
    Verhandelt Dt. Crone, 16. April 1855. In: A. a. O., Blatt 85 RS.
  • 40
    Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11. In: A. a. O., Blatt 3 RS u. 4 VS.
  • 41
    Verhandelt Stibbe, 25. September 1857. In: A. a. O., Blatt 95 VS.
  • 42
    A. a. O., Blatt 95 RS.
  • 43
    A. a. O., Blatt 97 RS bis 113 RS. Die Aufstellung nennt u. a. die Namen Amtmann Jahns, Schmied Fenner und Paul Birkholz in Strahlenberg, Bauer Krüger und Krüger Schulz in Stibbe, Neumann und Rosenthal in Mellentin, Schulz, Schmidthaber und Jacob Pinksohn in Tütz, Kwade in Klawittersdorf, Hall in Quiram, Dithmar in Trebbin, Christian Grähn in Drahnow, Grützmacher in Deutsch Krone.
  • 44
    Die Porträts wurden entnommen aus: Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien, Band 5, Berlin 1897.
  • 45
    Darunter waren u. a. Forderungen auf das Mikramsche Mühlengrundstück in Briesenitz und das Warnkesche Grundstück in Romanshof. A. a. O., Blatt 107 VS u. 108 VS.
  • 46
    A. a. O., Blatt 95 VS.
  • 47
    Schreiben der Kreisgerichtskommission in Schloppe. In: A. a. O., Blatt 3 RS u. 4 VS.
  • 48
    Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11. In: A. a. O., Blatt 2 RS.
  • 49
    Kostenrechnung vom 14. September 1858. In: A. a. O., Blatt 117 VS.
  • 50
    Verhandelt Stibbe, 30. Oktober 1861. In: A. a. O., Blatt 121 VS bis 130 RS. – Zur Familie Rée siehe J. Ciechanowitz: Paul Rée – krótka historia życia filozofa ze Zdbowa. In: Z przeszłości Tuczna i okolic, Tuczno 2021, S. 47-59.
  • 51
    Verhandelt Stibbe, 30. Oktober 1861. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 121 VS u. RS.
  • 52
    A. a. O., Blatt 129 RS.
  • 53
    A. a. O., Blatt 124 VS.
  • 54
    A. a. O., Blatt 126 VS.
  • 55
    A. a. O., Blatt 122 VS.
  • 56
    A. a. O., Blatt 128 RS u. 129 VS.
  • 57
    A. a. O., Blatt 129 VS.
  • 58
    A. a. O., Blatt 123 VS.
  • 59
    Statistisch-topographisches Adreß-Handbuch für Westpreußen, Danzig u. Elbing 1858, S. 195.
  • 60
    Verhandelt Schneidemühl, 24. April 1862. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 131 RS.
  • 61
    Verhandelt Schneidemühl, 24. April 1862. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11, Blatt 131 RS.
  • 62
    A. a. O., Blatt 132 RS.
  • 63
    Verhandelt Stibbe, 29. April 1862. In: A. a. O., Blatt 140 VS u. RS.
  • 64
    A. a. O., Blatt 141 VS.
  • 65
    A. a. O., Blatt 144 VS.
  • 66
    Eine Aufstellung der Erwerbungen Guenthers findet sich im Beitrag über den Kluck’schen Bauernhof in Marzdorf.
  • 67
    Verhandelt Stibbe, 29. April 1862. In: A. a. O., Blatt 141 RS.
  • 68
    A. a. O., Blatt 143 VS.
  • 69
    A. a. O., Blatt 145 VS.
  • 70
    A. a. O., Blatt 144 VS.
  • 71
    Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 11. In: A. a. O., Blatt 2 RS.
  • 72
    Bearbeitungsbogen der Kreisgerichtskommission. In: A. a. O., Blatt 120 RS.
  • 73
    Marzdorf, 9. Mai 1882 (Protokoll). In: A. a. O., Blatt 152 VS. Dort auch die Aufstellung der Teilnehmer.
  • 74
    A. a. O., Blatt 152 VS u. RS.
  • 75
    A. a. O., Blatt 152 RS.
  • 76
    A. a. O., Blatt 152 VS.
  • 77
    Bearbeitungsvermerk vom 10. Mai 1882 (auf dem Protokoll vom Vortag). In: A. a. O., Blatt 152 RS.
  • 78
    A. a. O., Blatt 152 VS u. RS.
  • 79
    Spesenabrechnung vom 10. Mai 1882. In: A. a. O., Blatt 155 VS.
  • 80
    T. Soorholtz: Die Familie Guenther-Marzdorf. In: Das Archiv, Nr. 4, Köln, Juli 2013, S. 14.

Der Martin Garski’sche Freikossätenhof in Marzdorf (Teil 4)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 8 (1782-1902)

Im vorigen dritten Teil dieses Beitrag wurde die Geschichte des Kossätenhofs bis ins Jahr 1897 geschildert, als Clemens Schmidt das erst im Jahr 1895 übernommene Anwesen parzellierte und verkaufte. Schmidt war mit der Tützer Bauerntochter Agnes geborene Bartonneck verheiratet; die Familie lebte später in Riege. Zum Verkauf des Kossätenhofs wurden insgesamt zehn Kaufverträge abgeschlossen. Die ersten vier davon – mit dem Briefträger Franz Tetzlaff, der unverehelichten Agnes Schmikowski, dem Schmied Michael Neumann und dem Schneider Julius Schmidt – wurden bereits behandelt.

Den fünften Kaufvertrag schlossen Clemens und Agnes Schmidt am 19. Juli 1897 mit dem Marzdorfer Schuhmachermeister Martin Schulz,1Kaufvertrag vom 19. Juli 1897 zwischen den Eheleuten Schmidt u. Martin Schulz. In: A. a. O., Blatt 138 VS. der drei Ackerparzellen und ein Wiesenstück im Umfang von insgesamt 1,2392 Hektar erwarb.2Auszug aus den vorläufigen Forschreibungsverhandlungen vom 1. Oktober 1898. In: A. a. O., Blatt 110 VS. Als Kaufpreis für das Ackerland wurden 285 Mark und für die Wiese 214 Mark je 0,25 Hektar festgelegt.3Kaufvertrag vom 19. Juli 1897 zwischen den Eheleuten Schmidt u. Martin Schulz. In: A. a. O., Blatt 138 RS u. 139 RS. Der Verkauf erfolgte auch hier mit der Ernte, die Übergabe erfolgte bei Vertragsschluss.4A. a. O., Blatt 139 VS. Ebenfalls bei Vertragsschluss zahlte Schulz eine Anzahlung von insgesamt 1200 Mark an Philipp Holzheim. Der Rest des Kaufpreises wurde am Tage der Auflassung fällig und sollte bis dahin mit fünf Prozent verzinst werden.5A. a. O., 138 RS u. 139 RS. Nachdem die Parzellen katasteramtlich vermessen waren, legten die Parteien den Kaufpreis auf 1391,90 Mark fest.6Nachtrag zum Kaufvertrag zwischen den Eheleuten Schmidt u. Martin Schulz. In: A. a. O., Blatt 141 VS. Das Amtsgericht in Märkisch Friedland übertrug die erworbenen Flächen am 3. Dezember 1898 auf das neue Grundbuchblatt Marzdorf Band Ⅲ, Blatt Nr. 66.7Vermerk auf Gerichtliche Kaufverschreibung Schmidt-Martin Schulz vom 2. Dezember 1898. In: A. a. O., Blatt 133 RS.

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Anmerkungen:

  • 1
    Kaufvertrag vom 19. Juli 1897 zwischen den Eheleuten Schmidt u. Martin Schulz. In: A. a. O., Blatt 138 VS.
  • 2
    Auszug aus den vorläufigen Forschreibungsverhandlungen vom 1. Oktober 1898. In: A. a. O., Blatt 110 VS.
  • 3
    Kaufvertrag vom 19. Juli 1897 zwischen den Eheleuten Schmidt u. Martin Schulz. In: A. a. O., Blatt 138 RS u. 139 RS.
  • 4
    A. a. O., Blatt 139 VS.
  • 5
    A. a. O., 138 RS u. 139 RS.
  • 6
    Nachtrag zum Kaufvertrag zwischen den Eheleuten Schmidt u. Martin Schulz. In: A. a. O., Blatt 141 VS.
  • 7
    Vermerk auf Gerichtliche Kaufverschreibung Schmidt-Martin Schulz vom 2. Dezember 1898. In: A. a. O., Blatt 133 RS.

Der Martin Garski’sche Freikossätenhof in Marzdorf (Teil 3)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 8 (1782-1902)

Der zweite Teil dieses Beitrags schilderte die Geschichte des Kossätenhofs bis ins Jahr 1874. Seit dem Erwerb im Jahr 1747 hatte der schon mehrfache Besitzwechsel erlebt: Auf Martin Garski folgte 1785 dessen Sohn Anton und 1798 der Enkel Martin. Nach dessen Tod im Jahr 1811 ging der Hof an seine Ehefrau über, die eine zweite Ehe mit Martin Günterberg schloss. Im Jahr 1845 hatte dessen Sohn Johann Günterberg das Anwesen übernommen, war aber 1873 verstorben. Da seine Witwe Rosalia geborene Joerdel nicht in der Lage war, die Erbteile der Kinder auszuzahlen, schritt sie ein Jahr später zum Verkauf.

Käufer des Hofes war Michael Schmidt, der zu jener Zeit in Klein Nakel lebte. Geboren war Schmidt jedoch in Dreetz, wo seine Familie über Generationen einen Kossätenhof besessen hatte, der 1866 für 3000 Taler an den dortigen Gutsbesitzer Hermann Müller verkauft wurde.1Vgl. dazu T. Soorholtz: Dreetz am Böthinsee. Köln 2024, S. 74. Michael Schmidt war mit Susanna geborene Kadow verheiratet;2Susanna Schmidt geb. Kadow starb am 11. Juli 1915 in Riege Abbau. Sterbeurkunde Nr. 28 vom 14. Juli 1915 des Standesamts in Rose, In: Archiwum Państwowe w Poznaniu Oddział w Pile, Signatur 55/594/0/3/35, S. 29. In der Grundakte wird ihr Geburtsname Kadoff geschrieben. aus der Ehe sind sechs Kinder bekannt:

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Anmerkungen:

  • 1
    Vgl. dazu T. Soorholtz: Dreetz am Böthinsee. Köln 2024, S. 74.
  • 2
    Susanna Schmidt geb. Kadow starb am 11. Juli 1915 in Riege Abbau. Sterbeurkunde Nr. 28 vom 14. Juli 1915 des Standesamts in Rose, In: Archiwum Państwowe w Poznaniu Oddział w Pile, Signatur 55/594/0/3/35, S. 29. In der Grundakte wird ihr Geburtsname Kadoff geschrieben.

Das Kluck’sche Kirchenpachtland (Teil 2)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 10 (1842-1937)

Der erste Teil dieses Beitrags stellte die Geschichte des Kirchenpachtlandes auf dem Iretz bis ins Jahr 1865 dar. Am 18. Februar des Jahres war Martin Schulz, der zweite Ehemann von Anna Christina geb. Koplin, im Alter von nur 39 Jahren verstorben. Die Witwe musste sich wiederum einer Erbauseinandersetzung stellen, obgleich das Grundstück bereits durch zwei vorangegangene Verfahren belastet war.

Bei dem neuerlichen Erbrezess, der am 13. Dezember 1865 in Märkisch Friedland verhandelt wurde, bezifferte das Gericht der Wert des Nachlasses auf 1190 Taler 28 Silbergroschen.1Sąd Obwodowy w Mirosławcu (Amtsgericht Märkisch Friedland): Marzdorf [Marcinkowice] Band I, Blatt 10 Seite 145 Besitzer: Paul Kluck, Laufzeit 1842-1937, Signatur 26/112/0/3/170 im AP Koszalin – im Folgenden zitiert als: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10 –, Erbrezess vom 13. Dezember 1865, Blatt 61 VS. – Das der Abschätzung zu Grunde liegende Inventar fehlt in der Grundakte. Das entsprach etwa dem abgesenkten Überlassungspreis des Jahres 1853, lag aber 470 Taler unter dem damaligen Taxwert. Die nachfolgende Tabelle stellt die Vermögenswerte und Forderungen gegenüber, auf deren Grundlage die Gerichte in den Jahren 1850, 1853 und 1865 den Nachlasswert taxierten. Auf die Wiedergabe der Pfennigwerte wird dabei verzichtet.

18502Erbrezess vom 19. Juni 1850. In: A. a. O., Blatt 25 VS. 18533Actum Märk. Friedland, 13. September 1853. In: A. a. O., Blatt 39 VS u. RS.  18654Erbrezess vom 13. Dezember 1865. In: A. a. O., Blatt 64 VS. 
Aktiva453 rth 22 sgr2013 rth 9 sgr2980 rth 6 sgr
Passiva71 rth 24 sgr352 rth 22 sgr1789 rth 7 sgr
Nachlasswert381 rth 28 sgr1660 rth 17 sgr1190 rth 28 sgr

Die Tabelle zeigt, dass die Vermögenswerte des Kirchenpachtbesitzes zwischen 1853 und 1865 um rund 48 Prozent anstiegen, dessen Verbindlichkeiten sich jedoch verfünffachten. Dabei entfielen nur etwa 700 Taler der Passiva auf die versicherten Erbteile der Kinder. Martin Schulz hat offenbar zusätzliche Schulden in Höhe von 1000 Taler gemacht, die aber nicht hypothekarisch versichert wurden. Wer die Gläubiger waren und wofür das Geld benötigt wurde, geht aus der Grundakte freilich nicht hervor.

Titelseite der Verhandlung vom 13. Dezember 1865

Die Witwe Anna Christian Schulz geborene Wiese hatte sich schon vor der Erbaufteilung erneut verheiratet. Ihre dritte Ehe schloss die inzwischen 35-jährige am 27. Juni 1865 in Marzdorf mit dem 28 Jahre alten Bauernsohn Johann Kluck aus Brunk,5Amtsgericht Märkisch Friedland: General-Akten betreffend die Kirchenbuchduplikate der Gemeinde Marzdorf 1823-1874. In: Archiwum Państwowe w Koszalinie, Signatur 609/40, S. 375. – Das Alter der »Witwe u. Pächterfrau« Anna Christian Schulz wird in den Kirchenbuch-Duplikaten fehlerhaft mit 40 Jahren angegeben. der wahrscheinlich nicht mit Martin Kluck – dem ersten Ehemann – verwandt war.

Im Beistand ihres dritten Ehemannes akzeptiere Anna Christina Kluck dieses Mal das Erbe des zweiten ohne Bedenken. Als Witwe stand ihr die eine Hälfte des Nachlasses zu, während die andere Hälfte ihren vier Kindern als Vatererbe zufiel. Aus freien Stücken erklärte sich die »Schichtgeberin« bereit, deren Anteile auf jeweils 150 Taler zu erhöhen.6Erbrezess vom 13. Dezember 1865. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10, Blatt 61 RS. Die Erbteile sollten bei Verheiratung oder Großjährigkeit fällig werden und waren bis dahin mit fünf Prozent zu verzinsen. Diese Zinsen standen allerdings der Mutter zu, so lange die Kinder von ihr unterhalten wurden.7A. a. O., Blatt 62 RS.

Ebenfalls aus freien Stücken sagte Anna Christina Schulz zu, den Töchtern Rosalie und Pauline bei Verheiratung oder Großjährigkeit das in Marzdorf übliche Bett im Wert von 25 Taler auszuhändigen oder den entsprechenden Betrag zu zahlen. Sie erklärte sich auch bereit, für alle Erbansprüche Hypothek auf die beiden Grundstücken Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 10 und Königsgnade Band Ⅰ, Blatt Nr. 33 zu bestellen.8A. a. O., Blatt 62 RS. Der Freibauer Stephan Robeck aus Königsgnade, den das Gericht zuvor als Vormund der nachgebliebenen Kinder verpflichtet hatte, akzeptierte namens seiner Kuranden die getroffene Erbregelung.9A. a. O., Blatt 63 VS.

Nachdem am 20. Januar 1866 auch die obervormundschaftliche Genehmigung durch das Kreisgericht in Deutsch Krone erfolgt war, berichtigte die Gerichtskommission in Märkisch Friedland am 2. Februar des Jahres den Besitztitel im Grundbuch auf Anna Christina Kluck, »welche mit dem Kirchenackerpächter Johann Kluck in der Ehe und Gutergemeinschaft lebt«.10Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10. In: A. a. O., Blatt 5 VS. Die hypothekarische Eintragung der Kindererbteile in Höhe von 600 Taler verzögerte sich hingegen aus unbekanntem Grund bis zum 10. Dezember 1866.11Eintragungsvermerk. In: A. a. O., Blatt 65 RS. An Gebühren berechnete das Gericht am 17. Januar 1867 elf Taler vier Silbergroschen.12Kostenrechnung vom 17. Januar 1867. In: A. a. O., Blatt 67 VS.

In der Pfarrchronik lobt Propst Katzer den dritten Pfarrpächter Johann Kluck ausdrücklich als »sehr gute[n] Landwirt«.13E. J. Krefft: Aus der Chronik der Pfarre Marzdorf. In: Das Archiv, Nr. 6, August 2020, S. 26. Das Kompliment muss gewiss auf seine Ehefrau ausgedehnt werden, die in den Jahren 1850 bis 1865 schwere Schicksalsschläge – darunter den Brand der Wirtschaftsgebäude –14Ebenda. überwand und die Besitztradition sicherte. Aus der Grundakte ist ersichtlich, dass Anna Christina geborene Wiese schreiben konnte, was zu der Zeit bei Bauerntöchtern keinesfalls selbstverständlich war.15Ihre Unterschrift findet sich zuerst in Actum Märk. Friedland, 13. September 1853. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10, Blatt 40 VS. Auch ihre Ehemänner Martin Schulz16Seine Unterschrift findet sich zuerst in Actum Märk. Friedland, 22. November 1853. In: A. a. O., Blatt 45 RS. und Johann Kluck17So z. B. in Erbrezess vom 13. Dezember 1865. In: A. a. O., Blatt 63 RS. unterzeichneten alle Dokumente mit dem Namen – und nicht mit drei Kreuzen.

Aus der Ehe von Johann Kluck und Anna Christina Kluck sind drei Kinder bekannt:

  1. Albert Eduard Kluck, geboren am 17. Juni 1868;18General-Akten … a. a. O., S. 382.
  2. Johann Paul Kluck, geboren am 17. Juni 1868, der später nur noch Paul genannt wurde;19General-Akten … a. a. O., S. 420.
  3. Anna Catharina Kluck, geboren am 23. November 1870, gestorben am 26. April 1872.20General-Akten … a. a. O., S. 444-445 bzw. S. 476.

In den nächsten drei Jahrzehnten kam es auf dem Iretz zu keinen weiteren Besitzveränderungen. Dennoch verzeichnet die Grundakte einige Ereignisse, über die berichtet werden soll. So wurde am 1. Februar 1875 der Post zwei in der dritten Hauptabteilung gelöscht, nachdem sowohl Maria als auch Martin Kluck über den Empfang ihrer Erbteile quittiert hatten.21Maria Kluck: Verhandelt Märkisch Friedland, 12. September 1870; Martin Kluck: Verhandelt Märk. Friedland, 2 Dezember 1874. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10, Blatt 72 VS bzw. 84 VS. Nach vielen Missverständnissen löschte das Amtsgericht in Märkisch Friedland am 8. Juli 1881 auch den ersten Post der betreffenden Rubrik, nachdem Anna Kluck den Empfang ihres mütterliches Erbes mehrfach bestätigt hatte.22Der letzte Löschungsantrag findet sich in Verhandelt Märk. Friedland, 8. Juli 1881. In: A. a. O., Blatt 97 VS.

Löschungsverfügung zu Post 2 vom 30. Januar 1875

Bereits im Juni 1876 waren die »Grundgüter des Erbpächters Johann Kluck« auf das Kataster zurückgeführt worden. Der Auszug aus der Grundsteuermutterrolle führt neben dem Hofraum neun Ackerparzellen im Hinterland, sechs weitere Ackerparzellen, ein Weideparzelle sowie zwei Wasserstücke auf, die zum Grundstück Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 10 gehörten. Der Besitz war 29,169 Hektar groß, der Grundsteuerreinertrag belief sich auf 29,83 Dezimaltaler – also sehr niedrige 1,02 Taler pro Hektar.23Auszug aus der Grundsteuermutter vom 23. Juni 1876. In: A. a. O., Blatt 91 VS u. RS.

Nach dem Auszug aus der Gebäudesteuerrolle gehörte zum Grundstück ein Wohnhaus mit 13 Ar Hofraum, ein Scheune und zwei Ställe. Der jährliche Nutzungswert der Gebäude wird mit 75,70 Mark angegeben.24Auszug aus der Gebäudesteuerrolle vom 24. Juni 1876. In: A. a. O., Blatt 92 VS u. RS Zum Vergleich: Der Nutzungswert der Gebäude des Kluck’schen Bauernhofs wurde 1877 auf 90 Mark beziffert, beim Schmidt’schen Kruges waren es sogar 135 Mark. Die Kossätenhöfe in Marzdorf lagen jedoch meist weit darunter.

Auszug aus der Gebäudesteuerrolle vom 24. Juni 1876

Im Frühjahr 1883 begannen die Verhandlungen zur Ablösung des Erbpacht-Kanons von 20 Taler (60 Mark) im Jahr, der auch nach der Aufhebung der Eigentumsrechte noch auf dem früheren Kirchenbesitz haftete.25Schreiben der Generalkommission in Bromberg vom 17. August 1884. In: A. a. O., Blatt 101 VS. Im Rezess, den die Parteien am 28. März 1884 in Marzdorf schlossen, wurde die Ablösungssumme auf 25 Jahresbeträge oder 1500 Mark festgelegt.26Ablösungsrezess vom 28. März 1884. In: A. a. O., Blatt 103 RS u. 104 VS (Tabelle). Da Johann Kluck dieses Kapital nicht aufbringen konnte oder wollte, verpflichtete er sich, der Rentenbank der Provinzen Ost- und Westpreußen 56,5 Jahre lang jährlich eine Amortisationsrente von 67,50 Mark zu zahlen.27A. a. O., Blatt 104 RS. Die Rentenbank übernahm im Gegenzug die Abfindung der katholischen Kirche in Marzdorf, die zum 1. Juni 1884 der Betrag von 1500 Mark »theils in Rentenbriefen, theils baar als Kapitalschätze« erhalten sollte.28A. a. O., Blatt 105 VS.

Schreiben der Königlichen General-Kommission vom 17. August 1884 zur Kanon-Ablösung

Für den Kirchenvorstand wurde der Rezess vom Gasthofbesitzer Neumann, dem Schneidermeister Kluck und dem Vorsitzenden Robeck unterzeichnet, für das Rittergut als Kirchenpatron unterschrieb Inspektor Feodor Smalian.29A. a. O., Blatt 106 RS u. 107 VS. Nachdem auch die erzbischöfliche Vermögensverwaltung der Diözesen Gnesen und Posen die Ablösung am 1. Mai 1884 genehmigt hatte,30Kopie des Schreibens. In: A. a. O., Blatt 107 RS. löschte das Amtsgericht in Märkisch Friedland am 26. August 1884 die Verpflichtungen gegenüber der katholischen Kirche aus dem Grundbuch. Dafür wurde nun an dritter Stelle der zweiten Hauptrubrik die Verpflichtung des Grundstücks gegenüber der Rentenbank eingetragen.31Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10. In: A. a. O., Blatt 6 RS u. 7 VS.

Am 29. Mai 1891 erschien der Schuhmachermeister Bernhard Schulz aus Schneidemühl vor dem Amtsgericht in Märkisch Friedland und quittierte über den Erhalt seines väterlichen Erbteils von 150 Taler.32Verhandelt Märk. Friedland, 29. Mai 1891. In: A. a. O., Blatt 109 VS. Da die Schwestern Rosalie und Pauline die Auszahlung ihres Anteils bereits am 24. Juni 1881 bestätigt hatten,33Verhandelt Märk. Friedland, 24. Juni 1881. In: A. a. O., Blatt 95 VS. konnte Johann Kluck nun den gesamten Post aus der dritten Hauptrubrik löschen lassen.34Die Löschung wurde am 30. Mai 1891 vorgenommen. Siehe dazu Löschungsnotiz. In: A. a. O., Blatt 109 VS. Bis auf die Verpflichtung gegenüber der Rentenbank war das Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 10 damit frei von Lasten. Dieser seltene Zustand blieb bis zum Tod von Johann Kluck am 29. September 1897 bestehen.

Die Eheleute Kluck hatten am 15. Juni 1891 in einem wechselseitigen Testament ihren »gemeinschaftlichen Sohn Johann Paul Kluck« – genannt Paul – zu ihrem »alleinigen und Universalerben« berufen, gleichzeitig aber dem »Letztlebenden […] den uneingeschränkten Nießbrauch […] des gesammten Nachlasses« vorbehalten.35Testament, aufgenommen in Märk. Friedland am 15. Juni 1891. In: A. a. O., Blatt 119 VS. Bei der gerichtlichen Verhandlung zu einem »Erb- und Leibgedinge-Vertrag«, die am 3. Dezember 1897 in Märkisch Friedland geführt wurde, verzichtete nun die Witwe Anna Christina Kluck auf den Nießbrauch und überließ ihr Eigentum dem Sohn Paul gegen ein »lebenslängliches Ausgedinge«.36Gerichtlicher Erb- u. Leibgedinge Vertrag vom 3. Dezember 1897. In: A. a. O., Blatt 119 RS. – Anna Christian Kluck wird im Vertrag nur als »Anna Kluck« bezeichnet. Das Eigentum der Witwe bestand vor allem aus den bereits bekannten Grundstücken Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 10 und Königsgnade Band Ⅰ, Blatt Nr. 33, zu denen zwischenzeitlich noch das Grundstück Marzdorf Band III, Blatt Nr. 53 gekommen war.37A. a. O., Blatt 112 RS. – Wann und unter welchen Umständen Marzdorf Band III, Blatt Nr. 53 erworben wurde, ist nicht bekannt. Paul Kluck nutzte das Grundbuch aber im Jahr 1904 für die Parzellen, die er von Anton Schmikowski erwarb. Siehe dazu die Darstellung im Beitrag über den Schmikowski’schen Freikossätenhof. Das Gericht schätzte den Gesamtwert dieser Immobilien sicherlich zu niedrig auf 6275 Mark.38A. a. O., Blatt 113 RS.

Titelseite des gegenseitigen Testaments der Eheleute Johann und Anna Kluck vom 15. Juni 1891

Den Vermögenswerten standen Schulden in Höhe von 3800 Mark gegenüber, die freilich nicht im Grundbuch eingetragen waren. Hauptgläubiger war Rudolf Morowski aus Marzdorf, der 900 Mark zu vier Prozent und 1500 Mark zu 4,5 Prozent Zinsen geliehen hatte. Weitere 900 Mark zu 4,5 Prozent Zinsen hatten die Eheleute Kluck vom Besitzer Josef Robeck in Königsgnade, 300 Mark vom Häusler Stefan Robeck in Böthin geborgt.39A. a. O., Blatt 112 RS. – Morowski wird im Vertrag »Murowski«, der Name Robeck jeweils »Rohbeck« und Böthin »Bythin« geschrieben. Obwohl die Verwendung des Geldes aus der Grundakte nicht hervorgeht, liegt die Vermutung nah, dass Johann Kluck mit diesen Mitteln die Gebäude auf dem Iretz teilweise neu errichtete. Der Gebäudesteuernutzungswert des Grundstücks erhöhte sich jedenfalls von 75,70 Mark im Jahr 1876 auf 135 Mark 1897.40Verfügung vom 27. Februar 1897. In: A. a. O., Blatt 119 RS. Es spricht für das hohe Ansehen von Johann Kluck, dass die Kapitalgeber in allen Fällen auf eine Versicherung im Hypothekenbuch verzichteten. Paul Kluck erklärte sich im Erbvertrag bereit, die Forderungen als Selbstschulden zu übernehmen.41Gerichtlicher Erb- u. Leibgedinge Vertrag vom 3. Dezember 1897. In: A. a. O., Blatt 112 VS u. RS.

Das Leibgedinge für Anna Christina Kluck bestand aus freier Wohnung »in der Stube links vom Eingang im Vorderhaus«,42A. a. O., Blatt 112 RS. Dort und Blatt 113 VS auch die weiteren Festlegungen des Leibgedinges. einem Stück Gartenland mit Hühnern und Bienenstock, Holz und Torf als Brennmaterial, Petroleum für die Beleuchtung, im Jahr 36 Mark Taschengeld, regelmäßigen Fuhren zur Kirche sowie zu ihrem Sohn Martin, Pflege und Medizin bei Krankheit, Besorgung des Arztes und des Geistlichen sowie standesgemäßer Beerdigung. Hinzu kamen die üblichen Naturalien: Jährlich 16 Scheffel Kartoffeln in blauen und daberschen Sorten, acht Metzen Hafergrütze, fünf Scheffel Wruken, täglich anderthalb Liter Milch, wöchentlich ein Pfund Butter, jährlich zu Martini zwei fette Gänse, zu Weihnachten ein halbes Schwein, zu Pfingsten Spinnwolle, zu Johannis Leinwand, alle drei Jahre neue Schuhe und eine Mütze.

Für einen gewissen Wohlstand spricht nicht nur das Pfund »Caffe«, dass der Witwe monatlich zustand, sondern auch die ihr vorbehaltene Einrichtung, bestehend aus Glasspind, Kleiderschrank, Kommode, Tisch mit vier Stühlen, Spiegel, Standuhr sowie Bett mit »Bettstatt, Oberbett, Unterbett, drei Kopfkissen nebst Bezügen«.43A. a. O., Blatt 113 RS.

Titelseite des Erb- und Leibgedingevertrages vom 3. Dezember 1897

Den Jahreswert des Leibgedinges, das ins Grundbuch des Grundstücks Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 10 eingetragen werden sollte, schätzte das Gericht auf 375 Mark.44Ebenda. Die 68 Jahre zählende Anna Christina Kluck behielt sich ausdrücklich vor, die ihr zugesicherte Wohnung jederzeit aufzugeben. In dem Fall war ihr Sohn verpflichtet, 

»ihr jährlich 300 M[ark] in vierteljährlichen Raten im Voraus an Stelle des Leibgedinges portofrei zuzusenden«.45Ebenda.

Am 6. Dezember 1897 änderte das Amtsgericht in Märkisch Friedland die Besitztitel in den drei betroffenen Grundbüchern ab auf »Paul Kluck zu Marzdorf, welcher mit seiner Ehefrau Helene geborene Garske in Gütergemeinschaft lebt«.46Eintragungsnotiz. In: A. a. O., Blatt 115 VS. Am gleichen Tag wurde auch das Leibgedinge in der zweiten Hauptrubrik des früheren Kirchenpachtlands eingetragen.47Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10. In: A. a. O., Blatt 6 RS. An Kosten berechnete das Gericht 42,70 Mark, wobei es den Gesamtwert des Objekts abweichend von der Angabe in der Verhandlung auf 8075 Mark schätzte.48Kostenrechnung vom 13. Dezember 1897. In: A. a. O., Blatt 116 VS.

Johann Paul Kluck hatte sich vermutlich erst kurz vor Abschluss des Erbvertrages verheiratet. Seine Ehefrau Helena Martha war eine Tochter des Königsgnader Bauern Martin Garske und am 19. April 1878 geboren.49F. Garske: Einwohnerliste von Marzdorf, Stand 1939. Manuskript aus dem Jahr 1959, unpaginiert, S. [54 u. 55]. Original im Besitz von Margot Steinmetz, Mettmann. Aus der Ehe sind die folgenden Kinder bekannt:

  1. Olga Maria Kluck, geboren am 3. Oktober 1898, gestorben 1948 in Leipzig;50Ebenda.
  2. Klara Kluck, geboren am 2. Oktober 1900, die später Max Manthey aus Tütz heiratete;51Angabe nach Stammtafel Klaus Ring. Im Archiv des Verfassers.
  3. Helena Kluck, geboren am 6. August 1903, gestorben am 1. November 1989 in Remagen;52Todesanzeige Helena Schulz geb. Kluck. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 40. Jahrgang, Februar 1990, S. 24.
  4. Hedwig Kluck, geboren um 11. August 1905, gestorben am 7. März 1966 in Moers;53Todesmitteilung Hedwig Kluck. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 16. Jahrgang, April 1966, S. 19.
  5. Gregor Kluck, geboren am 15. Februar 1908, gestorben am 19. Dezember 1986 in Tübingen.54Todesanzeige Gregor Kluck. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 37. Jahrgang, Februar 1987, S. 20.

In den folgenden drei Jahrzehnten blieb das Grundbuch des Grundstücks aus dem Iretz unverändert. Die nächste Eintragung datiert aus dem Jahr 1931, als Paul Kluck den Besitz erstmals mit einer Hypothek belastete. Am 7. August des Jahres gab er in Begleitung seiner Ehefrau vor dem Notar Dr. Erich Günther in Märkisch Friedland nachfolgende Erklärung ab: 

»Wir bekennen, von Frau Lehrer Gertrud Tetzlaff geb. Neumann aus Buchholz[,] Kreis Schlochau ein bares Darlehn in Höhe von 4.000 Goldmark erhalten zu haben und verpflichten uns, dieses Darlehn ab 1. September 1931 mit 2 vom Hundert über dem jeweiligen Reichsbankdiskont, jedoch mindestens mit 8 % und höchstens mit 10 % jährlich zu verzinsen und die Zinsen in halbjährlichen Beträgen nachträglich zu zahlen. Das Kapital ist jährlich kündbar.«55Darlehnsurkunde vom 7. August 1931. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10, Blatt 127 VS u. RS.

Gertrud Tetzlaff war die Ehefrau des Lehrers Max Stephan Tetzlaff (1892-1945, vermisst), der seit 1921 an der dreiklassigen paritätischen Schule in Buchholz unterrichtete. Er und auch seine Ehefrau stammten vermutlich aus Marzdorf. Der hohe Zinssatz von mindestens acht bis höchsten zehn Prozent war in der damaligen Wirtschaftskrise durchaus üblich. Es ist gewiss auch verständlich, dass die Gläubigerin angesichts der unsicheren Zeitläufe auf die Absicherung durch einen Hypothekenbrief bestand, den das Amtsgericht in Märkisch Friedland am 10. August des Jahres ausstellte.56Preussischer Hypothekenbrief (Entwurf). In: A. a. O., Blatt 126 VS u. RS. Das Gericht berechnete den Eheleuten Kluck dafür 24,15 Mark;57Kostennote vom 14. August 1931. In: A. a. O., Blatt 126 RS. Notar Dr. Günther stellte für die Beurkundung 26,50 Mark in Rechnung.58Kostenrechnung vom 7. August 1931. In: A. a. O., Blatt 128 VS.

Entwurf des Hypothekenbriefs vom 10. August 1931

Anfang September 1932 ging beim Amtsgericht in Märkisch Friedland ein Brief der Preußische Landesrentenbank in Berlin ein, die per Vordruck die Löschung aller Rentenpflichtsvermerke in den Marzdorfer Grundbüchern bewilligte. 

»Sämtliche Rentenbankrenten der Grundstücke aus der Ortschaft Marzdorf sind erloschen. Da wir annehmen, daß im Grundbuche schon längst erledigte Vermerke der Rentenpflicht noch eingetragen stehen, bescheinigen wir als Rechtsnachfolgerin der früheren Rentenbank im Interesse der Grundbuchbereinigung, daß sämtliche zu Gunsten der Rentenbank im Grundbuch von Marzdorf noch eingetragenen Rentenpflichtsvermerke gegenstandslos geworden sind […]«.59Schreiben der Landesrentenbank vom 6. September 1932. In: A. a. O., Blatt 130 VS.

Rein rechnerisch hätte die Rentenpflicht des Kluck’schen Grundstücks erst im Dezember 1940 geendet. Warum es zur vorzeitigen Erledigung kam und welche andere Grundstücke betroffen waren, wird in der Grundakte nicht erläutert. Das Amtsgericht in Märkisch Friedland löschte am 14. September 1932 kommentarlos den aus dem Jahr 1884 stammenden Eintrag in der zweiten Hauptrubrik des Grundbuchs.60Löschungseintrag des Amtsgerichts. In: A. a. O., Blatt 129 VS.

Schreiben der Landesrentenbank vom 6. September 1932

 Im Oktober 1933 wurde in das Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 10 auf Antrag der Eheleute Kluck eine Sicherungshypothek über 2000 Goldmark für den Bezirksfürsorgeverband in Deutsch Krone eingetragen. Der Hintergrund geht aus der Grundakte nicht hervor, ist jedoch bekannt: Die Tochter Olga war nach einer tragischen Liebesgeschichte von einem Nervenleiden befallen und lebte zeitweilig in einer Heilanstalt.61Mitteilung der Cousine Marta Garske an den Verfasser. Die Hypothek sollte ihre Unterstützung aus »Mitteln der öffentlichen Fürsorge« für die Zukunft absichern.62Eintragungsnotiz vom 13. Oktober 1933. In: A. a. O., Blatt 132 VS.

Im Dezember 1933 ließ Paul Kluck alle Inhalte aus den Grundbüchern Marzdorf Band III, Blatt Nr. 53 und Königsgnade Band Ⅰ, Blatt Nr. 33 auf sein Hauptgrundstück übertragen und aus den anderen Büchern löschen.63Verfügung vom 2. Dezember 1933. In: A. a. O., Blatt 133 VS. Im Februar 1937 beantragte er die »Bestände Marzdorf Ⅰ 10[,] Nr. 1 bis 4 zu vereinigen« und das Altenteil seiner Mutter aus dem Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 10 zu löschen, weil die Berechtigte »lange tot« sei.64Amtsgericht Märk. Friedland, 12. Februar 1937. In: A. a. O., Blatt 137 VS. Diese Löschung erfolgte am 2. März 1937 »als gegenstandslos von Amtswegen«.65Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10. In: A. a. O., Blatt 7 VS.

Am 12. Februar 1937 beantragte Paul Kluck die Vereinigung der Grundbücher

Bei der Vereinigung der Bestände wurde das Grundbuch des früheren Kirchenpachtlands vom Amtsgericht in Märkisch Friedland »wegen Unübersichtlichkeit« geschlossen und sein Inhalt auf das Blatt Marzdorf Band Ⅴ, Blatt 131 umgeschrieben.66Bearbeitungsvermerk. In: A. a. O., Blatt 140 VS. Der in diesem Grundbuch geführte Bauernhof in Königsgnade und Marzdorf war ein 41,32 Hektar großer »Erbhof«.67Entwurf, datiert MF 13.2 [1937]. In: A. a. O., Blatt 138 VS. Die Eintragung in die »Erbhöferolle« durch das Anerbengericht in Märkisch Friedland hatte bereits im September 1934 stattgefunden.68Schreiben des Anerbengerichts vom 10. September 1934. In: A. a. O., Blatt 138 VS.

Mit der auf den 5. März 1937 datierten Schließungsnotiz endet die Grundakte Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 10. Die weitere Geschichte des Anwesens ist nur in Grundzügen bekannt. Vermutlich schon im Jahr 1937 übernahm Gregor Kluck den Besitz auf dem Iretz, den er bis zur Vertreibung im Frühjahr 1946 führte. Seine Schwestern Olga und Hedwig lebten mit auf dem Hof. Die Eltern Paul und Helene Kluck starben am 27. April bzw. am 26. September 1945 im Alter von 76 und 67 Jahren auf dem Abbau.69F. Garske: Einwohnerliste von Marzdorf … a. a. O., S. [54 u. 55]. Seit Februar 1945 waren die Lebensumstände dort schwierig, denn gerade auf den einsam gelegenen Abbauten kam es häufig zu Überfällen und Plünderungen durch Banditen und Marodeure. So wurde die Witwe Maria Garske, die auf einem zweiten Hof auf dem Iretz lebte, am 5. März 1945 von räubernden Soldaten ermordet.70Ebenda.

Heute ist der Iretz weitgehend aufgeforstet und nur noch wenige Mauerreste erinnern an die früheren Höfe. Die landschaftliche Lage ist freilich immer noch überaus reizvoll und macht es nachvollziehbar, dass der in Schneidemühl aufgewachsene Albert Strey 1973 schrieb:

»Ich habe nie vergessen, wie ich einmal zu Ostern als Junge mit den Eltern zu Besuch im oder auf ›Iritz‹, Abbau Marzdorf, bei Fam[ilie] Kluck mit herrlichem Haus und einem Teich zum ersten Male Froschlaich in den Händen hatte.«71A. Strey: Gespräche mit Freunden aus der Heimat. In: Deutsch Kroner u. Schneidemühl Heimatbrief, Juli 1973, S. 5.

Anmerkungen:

  • 1
    Sąd Obwodowy w Mirosławcu (Amtsgericht Märkisch Friedland): Marzdorf [Marcinkowice] Band I, Blatt 10 Seite 145 Besitzer: Paul Kluck, Laufzeit 1842-1937, Signatur 26/112/0/3/170 im AP Koszalin – im Folgenden zitiert als: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10 –, Erbrezess vom 13. Dezember 1865, Blatt 61 VS. – Das der Abschätzung zu Grunde liegende Inventar fehlt in der Grundakte.
  • 2
    Erbrezess vom 19. Juni 1850. In: A. a. O., Blatt 25 VS.
  • 3
    Actum Märk. Friedland, 13. September 1853. In: A. a. O., Blatt 39 VS u. RS. 
  • 4
    Erbrezess vom 13. Dezember 1865. In: A. a. O., Blatt 64 VS.
  • 5
    Amtsgericht Märkisch Friedland: General-Akten betreffend die Kirchenbuchduplikate der Gemeinde Marzdorf 1823-1874. In: Archiwum Państwowe w Koszalinie, Signatur 609/40, S. 375. – Das Alter der »Witwe u. Pächterfrau« Anna Christian Schulz wird in den Kirchenbuch-Duplikaten fehlerhaft mit 40 Jahren angegeben.
  • 6
    Erbrezess vom 13. Dezember 1865. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10, Blatt 61 RS.
  • 7
    A. a. O., Blatt 62 RS.
  • 8
    A. a. O., Blatt 62 RS.
  • 9
    A. a. O., Blatt 63 VS.
  • 10
    Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10. In: A. a. O., Blatt 5 VS.
  • 11
    Eintragungsvermerk. In: A. a. O., Blatt 65 RS.
  • 12
    Kostenrechnung vom 17. Januar 1867. In: A. a. O., Blatt 67 VS.
  • 13
    E. J. Krefft: Aus der Chronik der Pfarre Marzdorf. In: Das Archiv, Nr. 6, August 2020, S. 26.
  • 14
    Ebenda.
  • 15
    Ihre Unterschrift findet sich zuerst in Actum Märk. Friedland, 13. September 1853. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10, Blatt 40 VS.
  • 16
    Seine Unterschrift findet sich zuerst in Actum Märk. Friedland, 22. November 1853. In: A. a. O., Blatt 45 RS.
  • 17
    So z. B. in Erbrezess vom 13. Dezember 1865. In: A. a. O., Blatt 63 RS.
  • 18
    General-Akten … a. a. O., S. 382.
  • 19
    General-Akten … a. a. O., S. 420.
  • 20
    General-Akten … a. a. O., S. 444-445 bzw. S. 476.
  • 21
    Maria Kluck: Verhandelt Märkisch Friedland, 12. September 1870; Martin Kluck: Verhandelt Märk. Friedland, 2 Dezember 1874. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10, Blatt 72 VS bzw. 84 VS.
  • 22
    Der letzte Löschungsantrag findet sich in Verhandelt Märk. Friedland, 8. Juli 1881. In: A. a. O., Blatt 97 VS.
  • 23
    Auszug aus der Grundsteuermutter vom 23. Juni 1876. In: A. a. O., Blatt 91 VS u. RS.
  • 24
    Auszug aus der Gebäudesteuerrolle vom 24. Juni 1876. In: A. a. O., Blatt 92 VS u. RS
  • 25
    Schreiben der Generalkommission in Bromberg vom 17. August 1884. In: A. a. O., Blatt 101 VS.
  • 26
    Ablösungsrezess vom 28. März 1884. In: A. a. O., Blatt 103 RS u. 104 VS (Tabelle).
  • 27
    A. a. O., Blatt 104 RS.
  • 28
    A. a. O., Blatt 105 VS.
  • 29
    A. a. O., Blatt 106 RS u. 107 VS.
  • 30
    Kopie des Schreibens. In: A. a. O., Blatt 107 RS.
  • 31
    Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10. In: A. a. O., Blatt 6 RS u. 7 VS.
  • 32
    Verhandelt Märk. Friedland, 29. Mai 1891. In: A. a. O., Blatt 109 VS.
  • 33
    Verhandelt Märk. Friedland, 24. Juni 1881. In: A. a. O., Blatt 95 VS.
  • 34
    Die Löschung wurde am 30. Mai 1891 vorgenommen. Siehe dazu Löschungsnotiz. In: A. a. O., Blatt 109 VS.
  • 35
    Testament, aufgenommen in Märk. Friedland am 15. Juni 1891. In: A. a. O., Blatt 119 VS.
  • 36
    Gerichtlicher Erb- u. Leibgedinge Vertrag vom 3. Dezember 1897. In: A. a. O., Blatt 119 RS. – Anna Christian Kluck wird im Vertrag nur als »Anna Kluck« bezeichnet.
  • 37
    A. a. O., Blatt 112 RS. – Wann und unter welchen Umständen Marzdorf Band III, Blatt Nr. 53 erworben wurde, ist nicht bekannt. Paul Kluck nutzte das Grundbuch aber im Jahr 1904 für die Parzellen, die er von Anton Schmikowski erwarb. Siehe dazu die Darstellung im Beitrag über den Schmikowski’schen Freikossätenhof.
  • 38
    A. a. O., Blatt 113 RS.
  • 39
    A. a. O., Blatt 112 RS. – Morowski wird im Vertrag »Murowski«, der Name Robeck jeweils »Rohbeck« und Böthin »Bythin« geschrieben.
  • 40
    Verfügung vom 27. Februar 1897. In: A. a. O., Blatt 119 RS.
  • 41
    Gerichtlicher Erb- u. Leibgedinge Vertrag vom 3. Dezember 1897. In: A. a. O., Blatt 112 VS u. RS.
  • 42
    A. a. O., Blatt 112 RS. Dort und Blatt 113 VS auch die weiteren Festlegungen des Leibgedinges.
  • 43
    A. a. O., Blatt 113 RS.
  • 44
    Ebenda.
  • 45
    Ebenda.
  • 46
    Eintragungsnotiz. In: A. a. O., Blatt 115 VS.
  • 47
    Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10. In: A. a. O., Blatt 6 RS.
  • 48
    Kostenrechnung vom 13. Dezember 1897. In: A. a. O., Blatt 116 VS.
  • 49
    F. Garske: Einwohnerliste von Marzdorf, Stand 1939. Manuskript aus dem Jahr 1959, unpaginiert, S. [54 u. 55]. Original im Besitz von Margot Steinmetz, Mettmann.
  • 50
    Ebenda.
  • 51
    Angabe nach Stammtafel Klaus Ring. Im Archiv des Verfassers.
  • 52
    Todesanzeige Helena Schulz geb. Kluck. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 40. Jahrgang, Februar 1990, S. 24.
  • 53
    Todesmitteilung Hedwig Kluck. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 16. Jahrgang, April 1966, S. 19.
  • 54
    Todesanzeige Gregor Kluck. In: Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief, 37. Jahrgang, Februar 1987, S. 20.
  • 55
    Darlehnsurkunde vom 7. August 1931. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10, Blatt 127 VS u. RS.
  • 56
    Preussischer Hypothekenbrief (Entwurf). In: A. a. O., Blatt 126 VS u. RS.
  • 57
    Kostennote vom 14. August 1931. In: A. a. O., Blatt 126 RS.
  • 58
    Kostenrechnung vom 7. August 1931. In: A. a. O., Blatt 128 VS.
  • 59
    Schreiben der Landesrentenbank vom 6. September 1932. In: A. a. O., Blatt 130 VS.
  • 60
    Löschungseintrag des Amtsgerichts. In: A. a. O., Blatt 129 VS.
  • 61
    Mitteilung der Cousine Marta Garske an den Verfasser.
  • 62
    Eintragungsnotiz vom 13. Oktober 1933. In: A. a. O., Blatt 132 VS.
  • 63
    Verfügung vom 2. Dezember 1933. In: A. a. O., Blatt 133 VS.
  • 64
    Amtsgericht Märk. Friedland, 12. Februar 1937. In: A. a. O., Blatt 137 VS.
  • 65
    Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 10. In: A. a. O., Blatt 7 VS.
  • 66
    Bearbeitungsvermerk. In: A. a. O., Blatt 140 VS.
  • 67
    Entwurf, datiert MF 13.2 [1937]. In: A. a. O., Blatt 138 VS.
  • 68
    Schreiben des Anerbengerichts vom 10. September 1934. In: A. a. O., Blatt 138 VS.
  • 69
    F. Garske: Einwohnerliste von Marzdorf … a. a. O., S. [54 u. 55].
  • 70
    Ebenda.
  • 71
    A. Strey: Gespräche mit Freunden aus der Heimat. In: Deutsch Kroner u. Schneidemühl Heimatbrief, Juli 1973, S. 5.

Das Kluck’sche Kirchenpachtland (Teil 1)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 10 (1842-1937)

Von alters her zählte die katholische Kirche zu den grösseren Grundeigentümern in Marzdorf. Aus der Chronik der Pfarre ist bekannt, dass der Kirchenbesitz in den 1820er Jahren 201 Morgen 177 Quadratruten Pfarrland und 116 Morgen 138 Quadratruten Kirchenland umfasste.1E. J. Krefft: Aus der Chronik der Pfarre Marzdorf. In: Das Archiv, Nr. 6, August 2020, S. 21 u. 29. Der Ertrag des Pfarrlandes kam allein dem jeweiligen Pfarrer zu, das Kirchenland war hingegen zum Unterhalt der Gemeinde und ihrer Bauten bestimmt. Während das Pfarrland bis 1945 im Besitz der Kirche verblieb,2Der letzte Pfarrer von Marzdorf, Pater Konrad Pickmeier, meldete in den 1950er Jahren 54 Hektar »Pfarrdienstland« zum Lastenausgleich an. Grund- und Betriebslisten des Gemeindebezirks Marzdorf. In: Bundesarchiv – Außenstelle Bayreuth, Signatur ZLA 7-32-1. gab es schon früh Bestrebungen, das Kirchenland zu verpachten. In der Pfarrchronik heißt es dazu: 

»Das [Kirchen-]Land war in 24 Teile geteilt, von denen sieben Teile vom Gutsherrn, drei von Bauern aus Marzdorf und 14 von den Bauern aus Königsgnade bewirtschaftet wurden. Infolge dieser Anbaumethode brachte das Land nur sehr geringe Erträge. Daher wurde 1830, während der Amtszeit von Pfarrer Busse, eine Erbverpachtung versucht.«3E. J. Krefft: Aus der Chronik …, a. a. O., S. 25.

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Anmerkungen:

  • 1
    E. J. Krefft: Aus der Chronik der Pfarre Marzdorf. In: Das Archiv, Nr. 6, August 2020, S. 21 u. 29.
  • 2
    Der letzte Pfarrer von Marzdorf, Pater Konrad Pickmeier, meldete in den 1950er Jahren 54 Hektar »Pfarrdienstland« zum Lastenausgleich an. Grund- und Betriebslisten des Gemeindebezirks Marzdorf. In: Bundesarchiv – Außenstelle Bayreuth, Signatur ZLA 7-32-1.
  • 3
    E. J. Krefft: Aus der Chronik …, a. a. O., S. 25.

Das Robeck’sche Schäferland in Böthin (Teil 3)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 9 (1807-1911)

Der zweite Teil dieses Beitrags schilderte die Geschichte des Böthiner Besitzes der Familie Robeck bis in das Jahr 1877. Aus dem 1807 erworbenen »Schäferland« war inzwischen ein Bauerngut von mehr als 22 Hektar Größe geworden, das seit 1873 in dritter Generation von Joseph Robeck bewirtschaftet wurde.

Wohl unmittelbar nach der Übernahme des elterlichen Gehöfts hatte Joseph Robeck die mutmaßlich aus Stibbe stammende Maria geborene Kluck geheiratet. Aus diese Ehe sind fünf Kinder bekannt, die alle in Böthin geboren wurden:

  1. Bernhard Michael Robeck, geboren am 6. Oktober 1873;1General-Akten … a. a. O., S. 486-487.
  2. Agnes Robeck, geboren am 6. Juli 1875; gestorben 1943 oder 1944 auf dem Hof in Böthin;2F. Garske: Einwohnerliste von Marzdorf, Stand 1939. Manuskript aus dem Jahr 1959, unpaginiert, S. [50 u. 51]. Original im Besitz von Margot Steinmetz, Mettmann.
  3. Franz Martin Robeck, * 19. November 1877, später Lehrer in Marienburg;3Standesamt Marienburg: Heiratsurkunde Nr. 36 vom 1. Juli 1909. In: Heirats-Register (Nebenregister) 1909, Vol. Ⅰ, S. [74].
  4. Robert Anton Robeck, geboren am 20. April 1880, gestorben am 10. August 1964 in Kirchberg im Kreis Zwickau;4F. Garske: Einwohnerliste von Marzdorf … a. a. O., S. [50 u. 51].
  5. Anna Maria Robeck, geboren am 3. Mai 1891, gestorben am 24. Oktober 1957 in Ilfeld-Wiegersdorf, Kreis Nordhausen.5Standesamt Ilfeld: Sterbeurkunde Nr. 306 vom 24. Oktober 1957. In: Sterbebuch 1957, S. [310].
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Anmerkungen:

  • 1
    General-Akten … a. a. O., S. 486-487.
  • 2
    F. Garske: Einwohnerliste von Marzdorf, Stand 1939. Manuskript aus dem Jahr 1959, unpaginiert, S. [50 u. 51]. Original im Besitz von Margot Steinmetz, Mettmann.
  • 3
    Standesamt Marienburg: Heiratsurkunde Nr. 36 vom 1. Juli 1909. In: Heirats-Register (Nebenregister) 1909, Vol. Ⅰ, S. [74].
  • 4
    F. Garske: Einwohnerliste von Marzdorf … a. a. O., S. [50 u. 51].
  • 5
    Standesamt Ilfeld: Sterbeurkunde Nr. 306 vom 24. Oktober 1957. In: Sterbebuch 1957, S. [310].

Das Robeck’sche Schäferland in Böthin (Teil 2)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 9 (1807-1911)

Der erste Teil dieses Beitrags schilderte die Geschichte des Schäferlandes, das sich seit 1807 im Besitz der Familie Robeck befand, bis in das Jahr 1828. Nach dem Tod von Johann Robeck hatte sich dessen Sohn Anton bereit erklärt, das väterliche Grundstück zu übernehmen. Dieses Grundstück war allerdings bislang nicht vom Hauptgut Marzdorf abgeschrieben – und so lasteten alle Schulden des Dominiums auch auf dem Besitz der Robecks. Vor der gerichtlichen Regelung des Erbes sollte Anton Kluck Befreiungserklärungen der Gläubiger beibringen.

Im Dezember 1828 brachte Anton Robeck einen Konsens des Hauptgläubigers, der Westpreußischen Landschaftsdirektion in Schneidemühl bei,1Liberationskonsens vom 2. Dezember 1828. In: A. a. O., Blatt 40 VS. der dem Gericht jedoch nicht ausreichte. Per Dekret vom 19. Juni 1829 verlangte das Gericht unter Kreisrichter Wohlfromm einen Konsens von allen Gläubigern, die laut Hypothekenschein vom 29. Januar 1828 auf den Marzdorfer Gütern eingetragen waren.2Decret vom 19. Juni 1829. In: A. a. O., Blatt 33 VS u. RS. Diese Gläubiger wurden im Dekret aufgelistet, was es uns heute ermöglicht, die Schulden des Marzdorfer Ritterguts zu diesem Zeitpunkt nachzuvollziehen. Es waren:

  1. 423 Taler 2 Groschen 2 Pfennige für die Witwe Marczinska in Nikoskowo und deren Kinder;3Die Schuld stammte vermutlich noch aus dem Jahr 1793, als die Witwe Marczyńska in Nikolskowo bei Schneidemühl der Mutter Grabskis 1269 Taler geliehen hatte. T. Soorholtz: Dominium w Marcinkowicach 1782-1810. In: Studia i materiały do dziejów ziemi wałeckiej, Nr. 15, Wałcz 2024, S. 82.
  2. 552 Taler 12 Groschen aus einer Protestation für Anton v. Wyganowski;4Diese Schuld Wyganowskis gegen seinen Rechtsbeistand Krakau stammte aus dem Jahr 1802. A. a. O., S. 87.
  3. 22 750 Taler Landschafts-Anleihen;
  4. 20 000 Taler desgleichen;
  5. 2000 Taler für Abraham Moses Stargardt in Märkisch Friedland, die an Stadtrichter Kloer zediert waren;
  6. 2000 Taler für Ernestine von Hartmann verehelichte Grabski, die an Stadtrichter Kloer zediert waren;
  7. 2000 Taler für Ernestine von Hartmann verehelichte Grabski, die an Stadtrichter Kloer zediert waren;
  8. 4000 Taler für Ernestine von Hartmann verehelichte Grabski, die an Stadtrichter Kloer zediert waren;
  9. 2000 Taler für den Pächter Marcus Wilhelm Ludwig, die an Stadtrichter Kloer zediert waren;
  10. 2380 Taler für denselben, die an Stadtrichter Koer zediert waren;
  11. 3000 Taler für denselben, von denen 2500 Taler an dessen Ehefrau Emilie v. Brockhausen und 500 Taler an Stadtrichter Kloer zediert waren;
  12. 3000 Taler für den Staat an Unterstützungsgeldern;
  13. 1341 Taler 18 Groschen für die v. Schwiderskischen Minorennen;
  14. 56 Taler 15 Groschen 5 Pfennige für die Salarienkasse des Oberlandesgerichts in Marienwerder;
  15. 255 Taler 9 Groschen und 10 Pfennige für dieselbe;
  16. 127 Taler 6 Groschen 8 Pfennige für dieselbe.5Aufstellung nach Decret vom 19. Juni 1829. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 9, Blatt 33 VS u RS. Die ersten beiden Forderungen lauten noch auf Taler (rth) und Gute Groschen (ggr).
Titelseite des Dekrets mit der Aufstellung der Schulden Grabskis
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Anmerkungen:

  • 1
    Liberationskonsens vom 2. Dezember 1828. In: A. a. O., Blatt 40 VS.
  • 2
    Decret vom 19. Juni 1829. In: A. a. O., Blatt 33 VS u. RS.
  • 3
    Die Schuld stammte vermutlich noch aus dem Jahr 1793, als die Witwe Marczyńska in Nikolskowo bei Schneidemühl der Mutter Grabskis 1269 Taler geliehen hatte. T. Soorholtz: Dominium w Marcinkowicach 1782-1810. In: Studia i materiały do dziejów ziemi wałeckiej, Nr. 15, Wałcz 2024, S. 82.
  • 4
    Diese Schuld Wyganowskis gegen seinen Rechtsbeistand Krakau stammte aus dem Jahr 1802. A. a. O., S. 87.
  • 5
    Aufstellung nach Decret vom 19. Juni 1829. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 9, Blatt 33 VS u RS. Die ersten beiden Forderungen lauten noch auf Taler (rth) und Gute Groschen (ggr).

Das Robeck’sche Schäferland in Böthin (Teil 1)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 9 (1807-1911)

Im siebten Beitrag in der Serie über die historischen Grundakten im Archiwum Państwowe in Koszalin geht es um die Akte Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 9, die auf 214 einseitig paginierten Blättern das Grundstück der Familie Robeck in Böthin behandelt.1Sąd Obwodowy w Mirosławcu (Amtsgericht Märkisch Friedland): Marzdorf [Marcinkowice] Band I, Blatt 9 Seite 135 Besitzer: Josef Robeck, Laufzeit 1807-1911, Signatur 26/112/0/3/169 im AP Koszalin. – Im Folgenden zitiert als: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 9. Die Akte ist unvollständig; ihr fehlt der Titel und sie endet unvermittelt mit einem Schriftstück vom Januar 1911. Offenbar wurden die vorliegenden Blätter später der weiter genutzten Gerichtsakte entnommen und archiviert – aber ein Hinweis darauf fehlt. Im Inneren der Akte findet sich ein historisches Titelblatt mit der Aufschrift:

»№ Ⅸ. — Das zu Boethin in Westpreußen, und dessen Dt. Croner Kreise belegene der Patrimonial-Gerichtsbarkeit von Marzdorff unterworfene Schäferland von 20 ½ Morgen culmisch nebst der Schäferscheune[.]«2Titelblatt Grundbuch Nr. Ⅸ. In: A. a. O., Blatt 5 VS.

Dieser Titel wurde später von anderer Hand ergänzt und dann komplett ersetzt; das »vorgeheftete neue Titelblatt«, auf das verwiesen wird,3Ebenda. ist jedoch nicht vorhanden.

Titelblatt des Grundbuchs für das Robeck’sche Schäferland
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Anmerkungen:

  • 1
    Sąd Obwodowy w Mirosławcu (Amtsgericht Märkisch Friedland): Marzdorf [Marcinkowice] Band I, Blatt 9 Seite 135 Besitzer: Josef Robeck, Laufzeit 1807-1911, Signatur 26/112/0/3/169 im AP Koszalin. – Im Folgenden zitiert als: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 9.
  • 2
    Titelblatt Grundbuch Nr. Ⅸ. In: A. a. O., Blatt 5 VS.
  • 3
    Ebenda.

Der Martin Garski’sche Freikossätenhof in Marzdorf (Teil 2)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 8 (1782-1902)

Der erste Teil dieses Beitrags schilderte die Geschichte des Kossätenhofs, der sich seit 1747 im Besitz der Familie Garske (oder Garski) befand, bis in das Jahr 1828. Seit dem Tod von Martin Garski im Jahr 1811 wurde der Hof von Martin Günterberg verwaltet, dem zweiten Ehemann der Witwe Rosa oder Rosalia Garski geborene Neumann. Vor der neuerlich Heirat hatte diese zugesagt, den Hof »nach 20 Jahren« an ihren Sohn Michael Garski zu übergeben, aber die gerichtliche Erbregelung war mehrfach an ihrem Unwillen gescheitert, der Mutter ihres ersten Mannes – Dorothea Garski geborene Krüger – das gewünschte Leibgedinge auszusetzen.

Nur einen Monat nach dem Tod von Dorothea Garski geborene Krüger kam das Nachlassverfahren aus dem Jahr 1814 zu einem Abschluss. In der Verhandlung, die am 20. Dezember 1828 in Märkisch Friedland stattfand, trat der designierte Erbe Michael Garski den Kossätenhof gegen eine »Abfindung«1Verhandelt M. Friedland 20. Dezember 1828. In: A. a. O., Blatt 29 VS. Dort auch das folgende Zitat. von 82 Taler an seine Mutter ab, die auch die Kosten des Verfahrens trug. Mit der Annahme der Abfindung erklärte sich Michael Garski »nicht nur wegen seines väterlichen, sondern auch des dereinstigen mütterlichen Erbtheils für befriedigt«. Die Gründe für die Abtretung und auch das weitere Schicksal von Michael Garski sind nicht bekannt, jedoch scheint die Abfindungszahlung für einen Hof im Wert von 200 Taler niedrig.

Titelseite der Nachlassverhandlung vom 20. Dezember 1828
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Anmerkungen:

  • 1
    Verhandelt M. Friedland 20. Dezember 1828. In: A. a. O., Blatt 29 VS. Dort auch das folgende Zitat.

Der Martin Garski’sche Freikossätenhof in Marzdorf (Teil 1)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 8 (1782-1902)

Der sechste Beitrag in der Serie über die historischen Grundakten im Archiwum Państwowe in Koszalin behandelt die Akte Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nummer 8, die auf 219 einseitig paginierten Blättern vom Kossätenhof der Besitzerfamilien Garski, Günterberg und Schmidt berichtet.1Sąd Obwodowy w Mirosławcu (Amtsgericht Märkisch Friedland): Marzdorf [Marcinkowice] Band I, Blatt 8 Seite 113 Besitzer: Anton Schmikowski und Pauline, geb. Schulz, Laufzeit 1782-1906, Signatur 26/112/0/3/168 im AP Koszalin. – Im Folgenden zitiert als: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 8. Der Kossätenhof wurde im Jahr 1898 parzelliert, die Grundakte im Jahr 1902 geschlossen.2A. a. O., Blatt 5 VS. Das Archiwum Państwowe nennt als letzten Besitzer Anton Schmikowski, aber der hatte lediglich eine der Parzellen erworben. Irreführend ist auch die Angabe der Laufzeit, denn das genannte Jahr 1906 betrifft lediglich einen nachträglichen Versandbeleg.3A. a. O., Blatt 219 VS. Der Originaltitel der Akte lautet: 

»Grund und Hypothequen Beylage Acten des von Grabskischen Patrimonial Gerichts der Martzdorffschen Güter betreffend den hypothecarischen Zustand des im Dorf Martzdorff unter der Nummer Ⅷ belegenen Koßäthenhofes nebst Zubehörungen. Besitzer ist Martin Garski, Martin Guenterberg, Johann Günterberg, Michael Schmidt, Franz Schmidt.« 4A. a. O., Umschlag.

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Anmerkungen:

  • 1
    Sąd Obwodowy w Mirosławcu (Amtsgericht Märkisch Friedland): Marzdorf [Marcinkowice] Band I, Blatt 8 Seite 113 Besitzer: Anton Schmikowski und Pauline, geb. Schulz, Laufzeit 1782-1906, Signatur 26/112/0/3/168 im AP Koszalin. – Im Folgenden zitiert als: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 8.
  • 2
    A. a. O., Blatt 5 VS.
  • 3
    A. a. O., Blatt 219 VS.
  • 4
    A. a. O., Umschlag.

Die Familie Treumann in Königsgnade

Ich berichtete an dieser Stelle bereits über den jüdischen Handelsmann Jacob Treumann, der mit seiner Familie einige Jahre in Königsgnade lebte. Seine Anwesenheit im Bauerndorf fand ich in einem Aktenband der Landratsamts in Deutsch Krone von mindestens 1852 bis mindestens 1854 belegt.1Starostwo Powiatowe w Wałczu: Anfertigung und Einreichung der Uebersicht der persönlichen und gewerblichen Verhältnisse der Juden. Band I (1843 – 1861). In: Archiwum Państwowe w Koszalinie, Signatur 26/20/0/2.3/165. Online auch unter https://metryki.genbaza.pl/genbaza,detail,481485,1. Ich schrieb damals:

»Laut der [in der Akte enthaltenen] Nachweisung des Jahres 1852 betrieb Treumann im Dorf einen ›stehenden Kramladen‹; in seinem Haushalt lebten außer ihm selbst seine Frau und fünf Kinder, davon zwei Knaben und drei Mädchen. Am 14. April 1853 teilte der Ortsvorsteher von Königsgnade, Garske, dem Landratsamt in Deutsch Krone mit, dass sich die Zahl der Haushaltsangehörigen auf acht erhöht habe, denn auch Treumanns Mutter lebte nun im Dorf. Wie lange die Familie im Dorf blieb und wohin sie anschließend verzog, ist freilich nicht bekannt.«

Der letzte Satz ist inzwischen überholt, denn kürzlich entdeckte ich einige Details zum Leben der Familie Treumann in einer Aufgebotsakte des Standesamts in Deutsch Krone, die heute in der Nebenstelle Szczecink [Neustettin] des Archiwum Państwowe w Koszalinie verwahrt wird.2Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorowe małżeństwa Nr. 1-51 (1890), In: Archiwum Państwowe w Koszalinie Oddział w Szczecinku, Signatur: 28/227/0/018, S. 165-177. Die Akte berichtet davon, dass Mindel oder Minna Treumann am 18. April 1890 in Deutsch Krone ein Aufgebot für ihre Hochzeit mit dem Kaufmann Leib oder Louis Lipinski in Gollantsch im Kreis Wongrowitz [heute Gołańcz im Powiat Wągrowiecki] beantragte. Mindel Treumann lebte als »Putzwarenhändlerin« in Deutsch Krone und war eine Tochter des bereits verstorbenen Handelsmanns Jacob Treumann und dessen Ehefrau Jette geborene Jacobsohn. Die Braut gab vor dem Standesamt an, sie lebe seit 1864 mit der Mutter in Deutsch Krone, sei in Krojanke, Kreis Flatow geboren und »über 34 Jahre« alt. Ein Dokument über ihre Geburt vermochte sie nicht beizubringen.3A. a. O., S. 165.

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Anmerkungen:

  • 1
    Starostwo Powiatowe w Wałczu: Anfertigung und Einreichung der Uebersicht der persönlichen und gewerblichen Verhältnisse der Juden. Band I (1843 – 1861). In: Archiwum Państwowe w Koszalinie, Signatur 26/20/0/2.3/165. Online auch unter https://metryki.genbaza.pl/genbaza,detail,481485,1.
  • 2
    Urząd Stanu Cywilnego w Wałczu: Akta zbiorowe małżeństwa Nr. 1-51 (1890), In: Archiwum Państwowe w Koszalinie Oddział w Szczecinku, Signatur: 28/227/0/018, S. 165-177.
  • 3
    A. a. O., S. 165.

Der Jacob Garski’sche Freikossätenhof in Marzdorf (Teil 4)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 7 (1782-1937)

Im ersten bis dritten Teil dieses Beitrags wurde die Geschichte des Kossätenhofs, der sich seit 1750 im Besitz der Familie Garske (oder Garski) befand, bis in das Jahr 1904 geschildert. Damals besaßen die Eheleute Michael Kluck und Apollonia geborene Garske den Hof in der sechsten Generation. Dieser Teil schreibt die Geschichte fort bis ins Jahr 1945.

In den Jahren 1904 bis 1905 fand in Marzdorf zwischen den Besitzern Michael Kluck, Paul Kluck und Anton Schmikowski eine Art von »Flurbereinigung« statt, bei der Parzellen untereinander getauscht und neue Grundbuchblätter angelegt wurden. Angestoßen wurde die Maßnahme vermutlich durch den Verkauf des Schmikowski’schen Kossätenhofs1Siehe dazu die Darstellung in diesem Beitrag.; die Rolle des Koordinators übernahm der Kaufmann Philipp Holzheim in Deutsch Krone, der auch die Formalitäten mit dem dortigen Katasteramt und dem Amtsgericht regelte. Da die Grundakte Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nummer 7 nur jene Unterlagen und Kartenausschnitte enthält, die dieses Grundstück betreffen, kann der Vorgang nicht in seiner Gesamtheit dargestellt werden. Es lassen sich lediglich die folgenden, sicherlich unvollständigen Teilschritte identifizieren.

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Anmerkungen:

  • 1
    Siehe dazu die Darstellung in diesem Beitrag.

Der Jacob Garski’sche Freikossätenhof in Marzdorf (Teil 3)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 7 (1782-1937)

Im ersten und zweiten Teil dieses Beitrags wurde die Geschichte des Kossätenhofs, der sich seit 1750 im Besitz der Familie Garske (oder Garski) befand, bis in das Jahr 1870 geschildert, als Martin Garske in zweiter Ehe Theresia geborene Witt heiratete. Martin Garske besaß den Hof seit 1854 in der fünften Generation.

Die neue preußische Grundbuchordnung des Jahres 1872 erforderte auch im Steuerbezirk Marzdorf die Rückführung der bestehenden Grundbuchblätter auf das Kataster. Der Auszug aus der Grundsteuermutterrolle, der in diesem Zusammenhang am 21. Juni 1876 für Martin Garske erstellt wurde, gibt für seinen Kossätenhof eine Größe von 12 Hektar 35 Ar an1Auszug aus der Grundsteuermutterrolle vom 21. Juni 1876. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 7, Blatt 117 VS., hinzu kam die umbaute Hoffläche mit Haus, Scheune, zwei Ställen und einem Garten von sechs Ar Größe2Auszug aus der Gebäudesteuerrolle vom 21. Juni 1876. In: A. a. O., Blatt 118 RS.. Von den 35 Parzellen, die zum Grundstück gehörten, entfielen 31 auf die Kulturart Acker, zwei auf die Kulturart Wiese und ebenfalls zwei waren Holzungen. Der Grundsteuerreinertrag wurde auf 27,73 Dezimaltaler berechnet, der Gebäudenutzungswert auf 75 Mark3Verfügung des Grundbuch-Amts in Mk. Friedland vom 15. Juli 1876. In: A. a. O., Blatt 119 RS.. Mit einem Reinertrag von 2,2 Talern pro Hektar lag die Wirtschaftsleistung auch des Garski’schen Freikossätenhofs noch unter dem ohnehin sehr niedrigen westpreußischen Durchschnitt von 2,5 Talern4A. Backhaus: Agrarstatistische Untersuchungen über den preußischen Osten im Vergleich zum Westen. In: Berichte des landwirtschaftlichen Instituts der Universität Königsberg, Band Ⅲ, Berlin 1898, S. 26 u. 28..

Formschreiben des Grundbuchamts in Deutsch Krone aus dem Juni 1876
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Anmerkungen:

  • 1
    Auszug aus der Grundsteuermutterrolle vom 21. Juni 1876. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 7, Blatt 117 VS.
  • 2
    Auszug aus der Gebäudesteuerrolle vom 21. Juni 1876. In: A. a. O., Blatt 118 RS.
  • 3
    Verfügung des Grundbuch-Amts in Mk. Friedland vom 15. Juli 1876. In: A. a. O., Blatt 119 RS.
  • 4
    A. Backhaus: Agrarstatistische Untersuchungen über den preußischen Osten im Vergleich zum Westen. In: Berichte des landwirtschaftlichen Instituts der Universität Königsberg, Band Ⅲ, Berlin 1898, S. 26 u. 28.

Der Jacob Garski’sche Freikossätenhof in Marzdorf (Teil 2)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 7 (1782-1937)

Im ersten Teil dieses Beitrags wurde die Geschichte des Kossätenhofs, der sich seit 1750 im Besitz der Familie Garske (oder Garski) befand, bis in das Jahr 1840 geschildert, als Mathias Garske im Grundbuch als Eigentümer eingetragen wurde. Tatsächlich hatte Mathias – der mit Catharina geborene Breuer verheiratet war – den Hof schon 1825 von seinem Vater Andreas Garske geerbt, dem das Grundstück bereits in der dritten Generation gehörte.

Am 2. November 1847 schloss Mathias Garske vor dem Patrimonialgericht einen Vertrag mit der Rittergutsbesitzer Franz Guenther, der das Dominium Marzdorf kurz zuvor von Carl Ferdinand Kloer erworben hatte. Ziel des Vertrages war die Verlegung des Garski’schen Freikossätenhofs vom Reetzer Ende der Dorfstraße an den sogenannten Kossätenweg, wohin um 1840 auch der Hof der Familie Schmikowski verlagert worden war1Siehe die Darstellung in diesem Beitrag.. Solche Umsiedlungen hatten in Marzdorf Tradition: Bereits in den Jahren 1817 bis 1821 verlagerte der damalige Gutsherr Kalixtus von Grabski 25 Bauerngehöfte auf die offene Feldmark und begründete damit das Dorf Königsgnade2Siehe dazu die Darstellung in der Pfarrchronik von Marzdorf, die hier heruntergeladen werden kann.. Seine Besitznachfolger setzten die Verlagerungen fort, die den Gutsbesitz räumlich von der Dorfgemeinde trennten.

Marzdorf auf der Schrötter’schen Karte (1802-1810). Die Bauernhöfe lagen am Reetzer Ende Richtung Knakendorfer Busch
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Anmerkungen:

  • 1
    Siehe die Darstellung in diesem Beitrag.
  • 2
    Siehe dazu die Darstellung in der Pfarrchronik von Marzdorf, die hier heruntergeladen werden kann.

Der Jacob Garski’sche Freikossätenhof in Marzdorf (Teil 1)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 7 (1782-1937)

Der fünfte Beitrag in der Serie über die historischen Grundakten im im Archiwum Państwowe in Koszalin behandelt die  Akte Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nummer 7, die auf 238 einseitig paginierten Blättern vom Kossätenhof der Besitzerfamilien Garske und später Kluck berichtet1Sąd Obwodowy w Mirosławcu (Amtsgericht Märkisch Friedland): Marzdorf [Marcinkowice] Band I, Blatt 7 Seite 97 Besitzer: Michael Kluck, Laufzeit 1782-1937, Signatur 26/112/0/3/167 im AP Koszalin. – Im Folgenden zitiert als: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 7.. Der Originaltitel der Akte, die eine Laufzeit von mehr als 150 Jahren umspannt, lautet: 

»Grund und Hypothequen Beilage Acten des von Grabskischen Patrimonial Gerichts der Martzdorffschen Güter betreffend den hypothecarischen Zustand des im Dorfe Martzdorff unter der Nummer Ⅶ belegenen Koßäthenhofes nebst Zubehörungen. Besitzer ist Andreas Garske, Matthias Garske, Martin Garske, Apollonia Garske und Michael Kluck.«2A. a. O., Umschlag.

Titelseite der Grund und Hypothequen Beilage Acte
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Anmerkungen:

  • 1
    Sąd Obwodowy w Mirosławcu (Amtsgericht Märkisch Friedland): Marzdorf [Marcinkowice] Band I, Blatt 7 Seite 97 Besitzer: Michael Kluck, Laufzeit 1782-1937, Signatur 26/112/0/3/167 im AP Koszalin. – Im Folgenden zitiert als: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 7.
  • 2
    A. a. O., Umschlag.