Der Schmidt’sche Bauernhof in Dreetz (Teil 2)

Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 12 (1815-1875)

Der frühere Marzdorfer Schulze Johann Schmidt wurde von Gutsbesitzer Kalixt von Grabski im Jahr 1815 mit einem Grundstück von neun kulmischen Morgen in Dreetz, auf der anderen Seite des Böthinsees, entschädigt. Der erste Teil dieses Beitrags schildert die Geschichte des Grundstücks bis ins Jahr 1835.

Am 6. Mai 1835 unterrichtete Matthaei das Oberlandes­gericht in Marienwerder über den »geschehenen Verkauf«1Briefkonzept vom 6. Mai 1835. In: A. a. O., Blatt 36 RS., das aber die Abschreibung des Schmidt’schen Bauernhofs im Hypothekenbuch der Marzdorfer Güter verweigerte. In der Antwort vom 24. Juni des Jahres verlangte das Oberlandes­gericht zunächst eine Erklärung darüber, ob »die Landschafts-Direction sich ihres Hypothekenrechts auf das verkaufte hier in Rede stehende Grundstück begeben will«.2Schreiben des Oberlandesgerichts in Marienwerder vom 24. Juni 1835. In: A. a. O., Blatt 39 RS.

Matthaei verfasste daraufhin am 13. Juli 1835 einen Brief an die Landschaftsdirektion in Behle und fordert zeitgleich Jacob Schmidt auf, »zur Bestreitung der baaren Auslagen binnen acht Tagen« vier Taler einzuzahlen.3Entwurf der beiden Schreiben auf a. a. O., Blatt 39 VS u. RS. Schmidt zahlte jedoch nicht, sondern verwies auf seinen erbrachten Vorschuss, der doch »hinreichend sein werde«.4Actum M. Friedland, 14. August 1835. In: A. a. O., Blatt 40 VS. Matthaei ordnete tatsächlich an, die Kosten »von dem Vorschuß à 8 rth in Abzug zu bringen« – aber dazu ist es augenscheinlich nie gekommen.5Notiz auf ebenda.

Am 27. August 1835 verweigerte die Landschaftsdirektion in Behle den »Konsens zur Abschreibung des Schmidtschen Grundstücks«.6Schreiben der Landschaftsdirektion in Behle vom 27. August 1835. In: A. a. O., Blatt 40 VS. Dort auch das folgende Zitat. Dieser könne erst dann erteilt werden, wenn der am 29. September 1834 verabredete »Kaufpreis« von 100 Talern »in einem westpreußischen Pfandbriefe nebst Konsens zur Löschung eines eben so hohen Pfandbriefs-Kapitals von Marzdorff eingezahlt seyn wird«. Weiter hieß es:

»So unbedeutend an sich dieser Gegenstand zur Sicherstellung der Marzdorffer Pfandbriefe ist, so halten wir uns doch nicht befugt, von den Vorschriften des § 5 des Gesetzes vom 9. October 1807 abzugehen.«

Schreiben der Landschaftsdirektion in Behle vom 27. August 1835

Matthaei informierte Kloer und Schmidt am 13. September des Jahres über die ablehnende Antwort aus Behle und stellte die weiteren Bemühungen in der Sache ein.7Entwurf auf ebenda.

Nicht so Jacob Schmidt. Der richtete am 18. März 1838 eine Beschwerde an das Oberlandesgericht in Marienwerder, die in der Grundakte leider nicht vorhanden ist. Ihr Inhalt ist jedoch aus einer »Vernehmung« bekannt, die am 30. Mai des Jahres vor Matthaei in Marzdorf stattfand.8Verhandelt in Marzdorf, 30. Mai 1836. In: A. a. O., Blatt 44 VS. Im Termin nannte Schmidt zwei Beschwerdegründe: Der erste betraf erneut seinen angeblichen Anspruch, aus dem »Marzdorfer Forst« nicht nur Raff- und Leseholz, sondern allgemein Brennholz zu entnehmen. Der zweite galt dem Umstand, dass Kloer das »erhaltene Kaufgeld von 100 rth« noch nicht bei der Landschaftsdirektion eingezahlt hatte, was die Abschreibung seines Grundstücks vom Hauptgut und »die vollständige Regulirung des Hypotheken-Buches meines Grundstücks« verzögere.

Von Matthaei über die Rechtslage belehrt, zog Schmidt zwar in der Verhandlung seine Beschwerde zurück, behielt sich aber vor, Kloer »im Wege des Prozeßes dazu anzuhalten«, ihm durch Einzahlung des Kaufgelds den »Liberations-Consens« der Landschaft zu verschaffen.9A. a. O., Blatt 46 RS.

Schmidt ließ der Drohung Taten verfolgen und strengte vor dem Kreisgericht in Deutsch Krone einen Prozess gegen Kloer an, über dessen Verlauf allerdings keine Details bekannt sind.10Verhandelt Marzdorf, 19. Oktober 1837. In: A. a. O., Blatt 50 RS Bekannt ist nur, dass Kloer die erhaltenen 100 Taler Anfang 1837 bei der nun in Schneidemühl ansässigen Landschafts­direktion einzahlte, worauf diese am 12. Februar 1837 »in die Abschreibung des Jacob Schmidtschen Grundstücks vom Hauptgute« einwilligte.11Schreiben der Landschaftsdirektion vom 12. Februar 1837 (Duplikat). In: A. a. O., Blatt 55 VS.

Das Schreiben ging Jacob Schmidt zu, der es dem »Protokollführer Graser« in Deutsch Krone zur Weitergabe an das Oberlandesgericht in Marienwerder aushändigte.12Verhandelt Marzdorf, 19. Oktober 1837. In: A. a. O., Blatt 50 RS. Dort kam es allerdings nie an. Am 3. September 1837 wurde das in Märkisch Friedland ansässige Marzdorfer Patrimonialgericht von Marienwerder aus erneut an die fehlende Erklärung der Landschaftsdirektion erinnert.13Schreiben des Oberlandesgerichts vom 3. September 1837. In: A. a. O., Blatt 48 VS u. RS. Außerdem bemängelte das Oberlandesgericht, dass Kloers Ehefrau Caroline Charlotte Friederike geborene von Bardeleben dem Vertrag vom 29. September 1834 und den dazugehörigen Dokumenten bislang nicht beigetreten war.

Schreiben des Oberlandesgerichts in Marienwerder vom 3. September 1837

Im Dezember 1837 brachte das Patrimonialgericht in Marzdorf die Unterschrift der Ehefrau Kloers bei, im Januar 1838 lag auch eine Kopie der Abschreibungsbewilligung in Marienwerder vor.14Konzept der Antwort des Patrimonialgerichts auf Schreiben des Oberlandesgerichts in Marienwerder vom 1. Dezember 1837. In: A. a. O., Blatt 52 VS und Schreiben der Landschaftsdirektion in Schneidemühl vom 18. Januar 1838. In: A. a. O., Blatt 54 VS. Beides reichte dem Oberlandesgericht aber nur aus, um die Abschreibung protestationis modo in das Hypothekenbuch der Marzdorfer Güter einzutragen. Zur Begründung erklärte es am 19. März 1838, dass

»die definitive Abschreibung nicht hat bewirkt werden können, weil der beigebrachte Konsens der Königlichen Landschafts-Direction sich nur auf den Contract vom 29 September 1834[,] nicht aber auf den Contract vom 14 Maerz 1815 bezieht […]«15Schreiben des Oberlandesgerichts in Marienwerder vom 1. Dezember 1837. In: A. a. O., Blatt 57 RS. Dort auch das folgende Zitat.

Außerdem fehle bislang der Konsens der restlichen Gläubiger des Ritterguts. Das Oberlandesgericht habe jedoch »so­wohl an die Königl[iche] Landschafts-Direction zu Schneidemühl als zu den Subhastations-Acten von Martzdorff das Erforderliche dieserhalb erlassen«.

Schreiben des Oberlandesgericht in Marienwerder vom 19. März 1838

Damit lag die Angelegenheit in Marienwerder. Welchen Fortgang sie dort nahm, ist aus der Grundakte Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 12 nicht zu ersehen. Das nächste Dokument in der Akte ist ein Dekret des Königlichen Land- und Stadtgerichts in Deutsch Krone, das als Patrimonialgericht von Marzdorf am 24. September 1841 die Berichtigung des Hypothekenbuchs der »Jacob Schmidtschen Erbpachtsgerechtigkeit in Dreetz« anordnete.16Dekret vom 24. September 1841. In: A. a. O., Blatt 58 VS.

Die Erledigung der Angelegenheit wurde wiederum Matthaei übertragen, der inzwischen zum Landgerichts-Assessor aufgestiegen war. Dieser lud zunächst seinen alten Bekannten Jacob Schmidt nach Deutsch Krone vor, um diesen am 13. Dezember 1841 ausgiebig zur Genese des Bauernhofs in Dreetz seit dem Jahr 1815 zu befragen.17Actum Dt. Krone, 13. Dezember 1841. In: A. a. O., Blatt 60 VS bis 61 RS. Neues kam dabei nicht heraus, aber Schmidt wurde aufgetragen, einen Totenschein seines Vaters sowie Quittungen darüber beizubringen, dass sein Bruders Johann und seine Schwester Anna Christina ihr Erbteil aus dem Erbvergleich vom 29. April 1818 erhalten hatten.18Aktennotiz auf Actum Klein Nakel, 2. Februar 1842. In: A. a. O., Blatt 62 VS.

Den Totenschein, den Pfarrer Katzer am 31. Januar 1842 ausgestellt hatte, legte Schmidt dem Gericht am 2. Februar 1842 vor.19Todtenschein vom 31. Januar 1842. In: A. a. O., Blatt 63 VS. Die Quittungen betreffend, zeigte er am 16. März 1842 in Tütz an, dass

»sein Bruder Johann Schmidt sich bei ihm in Dreetz aufhalte und seine Schwester Anna Christine an den Waldmüller Gott­lieb Medger zu Samudczyn bei Chodziesen verheiratet sei […]«20Actum Tütz, 16. März 1842. In: A. a. O., Blatt 63 VS.

Totenschein für Johann Schmidt, der 1833 in Dreetz verstorben war

Am 9. April 1842 quittierte Johann Schmidt in Marzdorf über den Erhalt seines Erbteils, wobei er mit drei Kreuzen zeichnete.21Actum Marzdorf, 25. April 1842. In: A. a. O., Blatt 66 VS. Am 25. des Monats legte Jacob Schmidt dem Gericht in Tütz ein Schreiben seiner Schwester Anna Christina vor,22Actum Tütz, 25. April 1842. In: A. a. O., Blatt 67 VS. die von Samotschin aus über den Erhalt von 25 Talern zuzüglich 13 Taler Zinsen quittiert hatte.23Schreiben vom 15. April 1842. In: A. a. O., Blatt 70 VS. Das Dokument reichte dem Gericht jedoch nicht aus, weil die Beitrittserklärung des Ehemanns fehlte.24Schreiben des Patrimonialgerichts Marzdorf, datiert Tütz, 16. Juni 1842. In: A. a. O., Blatt 66 VS. Schmidt lieferte die Zustimmung des »Müllers Gottlieb Mediger auf der 2ten Samoczyner Wald­mühle« im Oktober 1842 nach,25Schreiben, datiert Dominium Samoczyn, 5. Oktober 1842. In: A. a. O., Blatt 71 VS. worauf das Gericht am 20. des Monats sein Grundstück im Marzdorfer Hypothekenbuch intabulierte.26Konzept der Intabulatur. In: A. a. O., Blatt 72 VS u. RS. Der Hypothekenschein in vim recognitionis für den »Bauern Jacob Schmidt« wurde am 3. März 1843 erstellt.27Konzept des Hypothekenscheins. In: A. a. O., Blatt 73 VS u. RS. An Kosten berechnete das Gericht in Tütz 21 Taler 20 Silber­groschen und sechs Pfennige, die Schmidt am 28. Juni 1843 bezahlte.28Kostenrechnung (undatiert). In: A. a. O., Blatt 73 RS u. 74 VS und Cassirt-Beleg vom 28. Juni 1843. In: A. a. O., Blatt 77 VS.

Entwurf des Hypothekenbuchs aus dem Jahr 1842

Nicht einmal fünf Jahre später überließ Jacob den Bauernhof seinem Sohn Michael. Schmidt war damals etwa 60 Jahre alt, besaß den Hof seit 32 Jahren und hatte mehr als ein Jahrzehnt um dessen rechtliche Absicherung gekämpft. Es war ihm gewiss bewusst, dass weitere Kämpfe folgen würden, denn jedem der in rascher Folge wechselnden Gutsbesitzern von Dreetz musste die einzige bäuerliche Wirtschaft im Ort mit ihren Besitzrechten ein Ärgernis sein.

Jacob Schmidt war zudem Witwer; seine Frau Anna Maria geborene Utecht war am 26. August 1846 im Alter von 55 Jahren an »Auszehrung« verstorben.29General-Akten … a. a. O., S. 170. Dort ist auch die Anzahl der Erben verzeichnet. Die Erbteilung war im Januar 1847 gerichtlich verhandelt worden, aber das entsprechende Dokument fehlt in der Grundakte. Aus dieser geht nur hervor, dass jedem der vier nachgelassenen Kinder ein Mutter­erbe von rund 54 Taler zugesprochen wurde. Da dem Vater gesetzlich die Hälfte des Nachlasses zustand, dürfte der Wert des Hofes mithin auf etwa 430 Taler taxiert worden sein.30Die Angabe der Erbteile findet sich in Verhandelt Marzdorf, 13. Dezember 1847. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12, Blatt 82 RS.

Der Sohn Michael Schmidt wurde vermutlich zu Beginn der 1820er Jahre geboren, weshalb sich seine Geburt nicht in den Kirchenbuch-Duplikaten von Marzdorf findet. Den Lesern dieser Zeilen dürfte Michael Schmidt jedoch bereits bekannt sein, denn im Jahr 1874 übernahm er den Martin Garske’schen Freikossätenhof.31Siehe dazu https://www.koenigsgnade.de/der-martin-garskische-freikossaetenhof-in-marzdorf-teil-3/.

Titelseite des Überlassungsvertrags vom 13. Dezember 1847

Der Überlassungsvertrag, den Jacob Schmidt mit seinem »bereits aus der väterlichen Gewalt« entlassenen Sohn am 13. Dezember 1847 in Marzdorf verhandelten, sah einen »Überlassungspreis« von rund 654 Taler vor.32Verhandelt Marzdorf, 13. Dezember 1847. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12, Blatt 82 VS. Dieser sollte aufgebracht werden, indem Michael Schmidt auf sein Muttererbe verzichtete und an seine Schwester Anna sowie an die beiden Brüder Johann und Stephan jeweils 200 Taler zahlte.33Ebenda und a. a. O., Blatt 82 RS. Die Geschwister verzichteten ausdrücklich auf die hypothekarische Absicherung ihrer Ansprüche. Die Übergabe des Hofes sollte erst dann erfolgen, wenn Jacob Schmidt »nicht mehr wirtschaften« konnte.34A. a. O., Blatt 82 RS. Für die Vertragsaufnahme berechnete das Gericht zwölf Taler 17 Silbergroschen und sechs Pfennig, die sich Vater und Sohn teilten.35Kostenrechnung vom 12. Dezember 1847. In: A. a. O., Blatt 83 VS.

Die Übergabe erfolgte ein knappes Jahr später. Am 19. Oktober 1848 erschienen Jacob und Michael Schmidt vor Gericht in Tütz, trugen auf die »Berichtigung des Besitztitels« an und schlossen einen Vertrag über eine umfangreiches Leibgedinge, das der Sohn dem Vater bis zu dessen Tod zu gewähren hatte.36Verhandelt Tütz, 19. Oktober 1848. In: A. a. O., Blatt 87 VS. Es umfasste freie Wohnung in der »Stube mit Alkoven«, die Benutzung eines Teils der Scheune und des Bodenraums, ein vollständiges Bett, freies Brennholz und Wäsche, freie Fuhren zur Mühle und zum Geistlichen sowie die »standesgemäße Beerdigung«.37A. a. O., Blatt 87 RS u. 88 VS.

Alljährlich hatte der Sohn dem Vater »nach Nothdurft« an Naturalien abzuliefern: Acht Scheffel Roggen, je zwei Scheffel Erbsen, Gerste, Hafer und geputzte Kohlrüben, 30 Scheffel Kartoffeln, acht Metzen Buchweizengrütze, fünf Pfund Pflaumen, 50 Pfund Speck und fünf Pfund frisches Schweinefleisch.38A. a. O., Blatt 87 VS u. RS. Weiter standen dem Vater jährlich vier fette Gänse, zwei Hühner und eine Ente, eine »eiserne Kuh«, acht Pfund Spinnwolle, drei neue Hemden, sechs Ellen Leinwand und acht Taler Taschengeld zu.39A. a. O., Blatt 87 RS. Eine Ferse und vier Schafe aus dem Viehbestand verblieben im Besitz von Jacob Garske, der sich zudem das Recht »auf Mitgebrauch der Wirtschaftsgeräthe« versicherte.40A. a. O., Blatt 88 RS.

Das gesamte Besitz des Vaters sollte nach dessen Tod an den Sohn fallen.41A. a. O., Blatt 88 VS. Die hypothekarische Absicherung des Altenteils behielt sich Jacob Schmidt nur für den Fall vor, »wenn etwa Michael Schmidt das Grundstück veräußern sollte«.42A. a. O., Blatt 88 RS.

Noch am selben Tag änderte das in Tütz ansässige Patrimonialgericht den Besitztitel im Grundbuch auf den Sohn ab und fertigte für ihn einen Hypothekenschein.43Das Konzept der Grundbuchänderung und des Hypothekenscheins auf a. a. O., Blatt 89 RS. An Kosten wurden Michael Schmidt acht Taler zehn Silbergroschen berechnet.44Kostenrechnung. In: A. a. O., Blatt 89 VS u. RS.

Im Jahr 1855 löschte das Gericht in Märkisch Friedland das Vorkaufsrecht des Marzdorfer Ritterguts, das noch aus dem Jahr 1835 auf dem Schmidt’schen Bauernhof lastete, aus dem Grundbuch. Grundlage dafür war das preußische Ablösungsgesetz vom 2. März 1850, nach dem eine »Laudemial-Verpflichtung[, die] erst nach dem Jahre 1811 auferlegt worden« war, »ohne Entschädigung des Berechtigten« entfiel.45Verhandelt Deutsch Krone, 9. November 1855. In: A. a. O., Blatt 93 VS u. RS.

Am 7. Dezember 1855 wurde die Laudemial-Pflicht aus dem Grundbuch gelöscht.

Vermutlich stand Michael Schmidt zu dieser Zeit bereits im Konflikt mit Otto Müller (geb. 1822), der seit dem Jahr 1850 Alleinbesitzer des Guts in Dreetz war. Um dessen Rentabilität zu erhöhen, dehnte Müller die Gutswirtschaft stark aus und richtete in Dreetz eine Brennerei ein, die freilich niemals profitabel arbeitete.46Siehe dazu Soorholtz, Dreetz … a. a. O., S. 55 ff. In den Jahren 1857 und 1858 führte Michael Schmidt gegen Müller mindestens zwei Prozesse vor dem Appellationsgericht in Marienwerder und dem Kreisgericht in Deutsch Krone, deren genauere Umstände jedoch unbekannt sind.47A. a. O., S. 64 und Schreiben des Kreisgerichts in Deutsch Krone vom 23. September 1858. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12, Blatt 96 VS. Mutmaßlich ging es dabei um Holz- und Weiderechte des Schmidt’schen Bauernhofs, die vom Gut verletzt wurden.

Im Jahr 1861 kam das Gut in Dreetz, dessen Schuldenlast Otto Müller auf rund 54 000 Taler verdoppelt hatte, in Märkisch Friedland zur Zwangsversteigerung. Das Höchstgebot von 40 000 Taler gaben die Herren August Müller (1827-1922), Carl Otto Müller (1817-1890) und Herrmann Müller (geb. 1820) an, bei denen es sich um Vettern (August u. Carl Otto) bzw. den Bruder (Hermann) von Otto Müller handelte.48Zur Familie Müller aus Piepenburg in Pommern siehe Deutsches Geschlechterbuch, Band 90 (Pommersches Geschlechterbuch, Band 3), hrsg. von B. Koerner, Görlitz 1936, S. 381-401, hier S. 389-396. Im Jahr 1863 erwarb Hermann Müller schließlich das Gut für 58 000 Taler als Alleineigentümer.

Auch Hermann Müller schmiedete ehrgeizige Pläne, um den Betrieb in Dreetz auszuweiten. So wollte er die Gutswiesen entwässern, das Grenz- und das Pilowfließ begradigen und die Spiegel des Dreetz- und des Böthinsees absenken.49Soorholtz, Dreetz … a. a. O., S. 74. Dabei war ihm freilich der Bauernhof von Michael Schmidt im Wege, den er deshalb am 27. August 1865 für den Kaufpreis von 3000 Talern kurzerhand erwarb.

Titelseite des notariellen Kaufvertrags vom 27. August 1865

Der Kaufvertrag, den die Eheleute Michael und Susanna Schmidt mit dem »Gutsbesitzer Herr[n] Hermann Müller in Moetzlin bei Colberg« vor dem Notar Hermann Roessler in Deutsch Krone schlossen,50Verhandelt Deutsch Krone, 27. August 1865. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12, Blatt 99 RS. sah folgende Zahlungsmodalitäten vor:

  • 1500 Taler sollten bei Vertragsabschluss gezahlt werden;
  • 500 Taler wurden am 1. Mai 1866 fällig;
  • 1000 Taler waren am 1. Juli 1866 zu entrichten.51A. a. O., Blatt 100 VS. Dort auch die folgende Angaben und das Zitat.

Das Ehepaar Schmidt verlangte für die gestundeten Beträge keine Zinsen und keine hypothekarisch Absicherung, behielt sich aber bis zum 1. Mai 1866 »das Nutzungsrecht an sämmtlichen Gebäuden des verkauften Grundstücks vor«.

Verkauft wurde der Schmidt’sche Grundstück »wie es steht und liegt, also mit den dazu gehörigen Gebäuden[,] jedoch mit Ausschluß der diesjährigen Ernte und des todten und lebenden Inventariums«.52A. a. O., Blatt 99 RS. Die »auf dem Grundstücke haftende Holz- und Weideberechtigung« wurde mit verkauft, stand den Verkäufern allerdings »bis zu ihrem Abzuge« zu.53A. a. O., Blatt 100 RS. Im Kaufvertrag versicherte Michael Schmidt ausdrücklich, dem Käufer ein »schuldenfreies Grundstück« ohne Grundlasten zu veräußern.54Ebenda. Er konnte dies tun, weil das Leibgedinge seines Vaters mit dessen Tod am 25. März 1860 erloschen war.55General-Akten … a. a. O., S. 291. Nach dem Kirchenbuch-Duplikat starb Jacob Schmidt mit 73 Jahren an Altersschwäche und hinterließ vier volljährige Kinder.

Der Kaufpreis von 3000 Taler für einen Hof mit rund 37 Morgen Ackerland überstieg sicherlich das übliche Preisniveau. Zwei Jahre zuvor hatte Martin Kluck für 22 Morgen Ackerland in Marzdorf 1000 Taler bezahlt, im Jahr 1854 wurde eine Fläche gleicher Größe mit 700 Taler gehandelt.56Siehe die Darstellung im Beitrag https://www.koenigsgnade.de/der-klucksche-bauernhof-in-marzdorf/.

Am 27. September 1865 änderte die Gerichtskommission in Märkisch Friedland den Besitztitel des Grundstücks Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 12 auf Hermann Müller ab und stellte ihm den Hypothekenschein aus. An Gerichtskosten wurden 13 Taler 16 Silbergroschen berechnet. Am gleichen Tag unterrichtete das Gericht das Landratsamt in Deutsch Krone über den geschehenen Verkauf.57Bearbeitungsnotizen und Kostennote der Gerichtskommission. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12, Blatt 97 RS u. 98 VS.

Postbehändigungsschein für Hermann Müller in »Moetzlin«

Die Besitzunterlagen erreichten Müller erst am 26. Oktober 1865 in Moitzlin bei Groß Jestin im Kolberger Land, wo er ein Vorwerk des Ritterguts gepachtet hatte.58Postbehändigungsschein vom 27. September 1865. In: A. a. O., Blatt 102 VS. Im April 1866 wurde erstmals eine Hypothek über 2000 Taler zuzüglich fünf Prozent Zinsen auf den vormaligen Schmidt’schen Bauernhof eingetragen. Als Zweck nennt die Grundakte:

»Entschädigungsforderung des Rittergutsbesitzers Friedrich Lehr zu Klein Nakel für Aufgabe des Rechts auf Mühlenbetrieb durch den Pylow-Fluß, Gestattung des Rechts auf Vertiefung des Dreetz resp. Pylow Flusses, Auswerfung und Nutzung von Entwässerungsgräben aus dem Dreetz-See resp. Fließ und Verbreiterung des Pylow-Flusses […]«59Copia decreti vom 14. April 1866. In: A. a. O., Blatt 103 VS u. RS.

Im Mai 1867 erwarb Hermann Müller auch das Büdner-Grundstück Marzdorf Band Ⅱ, Blatt Nr. 34, das zuvor dem Fischer Stephan Miranowski gehört hatte.60Die Geschichte dieses Grundstücks wird in einem späteren Kapitel dargestellt. Im Jahr 1875 ließ er dieses Grundstück und das Grundstück Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 12 auf das Grundbuch Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 4 (Gut Dreetz) übertragen.61Copia decreti vom 10. Dezember 1875. In: A. a. O., Blatt 106 VS bis 107 RS. Das Amtsgericht in Märkisch Friedland gab dabei für das Grundstück Marzdorf Band Ⅰ, Blatt Nr. 12 eine Größe von 10,455 Hektar Ackerland und 35,7 Ar Hofraum an. An Grundsteuerreinertrag wurden 15,29 Taler genannt – also nicht einmal 1,5 Taler pro Hektar.62A. a. O., Blatt 106 VS. Nach der Übertragung wurde das Grundbuch des Schmidt’schen Bauernhofs geschlossen.63Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12. In: A. a. O., Blatt 2 RS.

Dekret zur Schließung des Grundbuchs vom 10. Dezember 1875

Wie schon erwähnt, lebte Michael Schmidt nach dem Verkauf seines Hofs zunächst in Klein Nakel, bis er im September 1874 den Martin Garski’schen Freikossätenhof in Marzdorf erwarb. Dort ist er vermutlich vor dem Jahr 1897 verstorben.

Anmerkungen:

  • 1
    Briefkonzept vom 6. Mai 1835. In: A. a. O., Blatt 36 RS.
  • 2
    Schreiben des Oberlandesgerichts in Marienwerder vom 24. Juni 1835. In: A. a. O., Blatt 39 RS.
  • 3
    Entwurf der beiden Schreiben auf a. a. O., Blatt 39 VS u. RS.
  • 4
    Actum M. Friedland, 14. August 1835. In: A. a. O., Blatt 40 VS.
  • 5
    Notiz auf ebenda.
  • 6
    Schreiben der Landschaftsdirektion in Behle vom 27. August 1835. In: A. a. O., Blatt 40 VS. Dort auch das folgende Zitat.
  • 7
    Entwurf auf ebenda.
  • 8
    Verhandelt in Marzdorf, 30. Mai 1836. In: A. a. O., Blatt 44 VS.
  • 9
    A. a. O., Blatt 46 RS.
  • 10
    Verhandelt Marzdorf, 19. Oktober 1837. In: A. a. O., Blatt 50 RS
  • 11
    Schreiben der Landschaftsdirektion vom 12. Februar 1837 (Duplikat). In: A. a. O., Blatt 55 VS.
  • 12
    Verhandelt Marzdorf, 19. Oktober 1837. In: A. a. O., Blatt 50 RS.
  • 13
    Schreiben des Oberlandesgerichts vom 3. September 1837. In: A. a. O., Blatt 48 VS u. RS.
  • 14
    Konzept der Antwort des Patrimonialgerichts auf Schreiben des Oberlandesgerichts in Marienwerder vom 1. Dezember 1837. In: A. a. O., Blatt 52 VS und Schreiben der Landschaftsdirektion in Schneidemühl vom 18. Januar 1838. In: A. a. O., Blatt 54 VS.
  • 15
    Schreiben des Oberlandesgerichts in Marienwerder vom 1. Dezember 1837. In: A. a. O., Blatt 57 RS. Dort auch das folgende Zitat.
  • 16
    Dekret vom 24. September 1841. In: A. a. O., Blatt 58 VS.
  • 17
    Actum Dt. Krone, 13. Dezember 1841. In: A. a. O., Blatt 60 VS bis 61 RS.
  • 18
    Aktennotiz auf Actum Klein Nakel, 2. Februar 1842. In: A. a. O., Blatt 62 VS.
  • 19
    Todtenschein vom 31. Januar 1842. In: A. a. O., Blatt 63 VS.
  • 20
    Actum Tütz, 16. März 1842. In: A. a. O., Blatt 63 VS.
  • 21
    Actum Marzdorf, 25. April 1842. In: A. a. O., Blatt 66 VS.
  • 22
    Actum Tütz, 25. April 1842. In: A. a. O., Blatt 67 VS.
  • 23
    Schreiben vom 15. April 1842. In: A. a. O., Blatt 70 VS.
  • 24
    Schreiben des Patrimonialgerichts Marzdorf, datiert Tütz, 16. Juni 1842. In: A. a. O., Blatt 66 VS.
  • 25
    Schreiben, datiert Dominium Samoczyn, 5. Oktober 1842. In: A. a. O., Blatt 71 VS.
  • 26
    Konzept der Intabulatur. In: A. a. O., Blatt 72 VS u. RS.
  • 27
    Konzept des Hypothekenscheins. In: A. a. O., Blatt 73 VS u. RS.
  • 28
    Kostenrechnung (undatiert). In: A. a. O., Blatt 73 RS u. 74 VS und Cassirt-Beleg vom 28. Juni 1843. In: A. a. O., Blatt 77 VS.
  • 29
    General-Akten … a. a. O., S. 170. Dort ist auch die Anzahl der Erben verzeichnet.
  • 30
    Die Angabe der Erbteile findet sich in Verhandelt Marzdorf, 13. Dezember 1847. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12, Blatt 82 RS.
  • 31
  • 32
    Verhandelt Marzdorf, 13. Dezember 1847. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12, Blatt 82 VS.
  • 33
    Ebenda und a. a. O., Blatt 82 RS.
  • 34
    A. a. O., Blatt 82 RS.
  • 35
    Kostenrechnung vom 12. Dezember 1847. In: A. a. O., Blatt 83 VS.
  • 36
    Verhandelt Tütz, 19. Oktober 1848. In: A. a. O., Blatt 87 VS.
  • 37
    A. a. O., Blatt 87 RS u. 88 VS.
  • 38
    A. a. O., Blatt 87 VS u. RS.
  • 39
    A. a. O., Blatt 87 RS.
  • 40
    A. a. O., Blatt 88 RS.
  • 41
    A. a. O., Blatt 88 VS.
  • 42
    A. a. O., Blatt 88 RS.
  • 43
    Das Konzept der Grundbuchänderung und des Hypothekenscheins auf a. a. O., Blatt 89 RS.
  • 44
    Kostenrechnung. In: A. a. O., Blatt 89 VS u. RS.
  • 45
    Verhandelt Deutsch Krone, 9. November 1855. In: A. a. O., Blatt 93 VS u. RS.
  • 46
    Siehe dazu Soorholtz, Dreetz … a. a. O., S. 55 ff.
  • 47
    A. a. O., S. 64 und Schreiben des Kreisgerichts in Deutsch Krone vom 23. September 1858. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12, Blatt 96 VS.
  • 48
    Zur Familie Müller aus Piepenburg in Pommern siehe Deutsches Geschlechterbuch, Band 90 (Pommersches Geschlechterbuch, Band 3), hrsg. von B. Koerner, Görlitz 1936, S. 381-401, hier S. 389-396.
  • 49
    Soorholtz, Dreetz … a. a. O., S. 74.
  • 50
    Verhandelt Deutsch Krone, 27. August 1865. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12, Blatt 99 RS.
  • 51
    A. a. O., Blatt 100 VS. Dort auch die folgende Angaben und das Zitat.
  • 52
    A. a. O., Blatt 99 RS.
  • 53
    A. a. O., Blatt 100 RS.
  • 54
    Ebenda.
  • 55
    General-Akten … a. a. O., S. 291. Nach dem Kirchenbuch-Duplikat starb Jacob Schmidt mit 73 Jahren an Altersschwäche und hinterließ vier volljährige Kinder.
  • 56
  • 57
    Bearbeitungsnotizen und Kostennote der Gerichtskommission. In: Grundakte Marzdorf Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12, Blatt 97 RS u. 98 VS.
  • 58
    Postbehändigungsschein vom 27. September 1865. In: A. a. O., Blatt 102 VS.
  • 59
    Copia decreti vom 14. April 1866. In: A. a. O., Blatt 103 VS u. RS.
  • 60
    Die Geschichte dieses Grundstücks wird in einem späteren Kapitel dargestellt.
  • 61
    Copia decreti vom 10. Dezember 1875. In: A. a. O., Blatt 106 VS bis 107 RS.
  • 62
    A. a. O., Blatt 106 VS.
  • 63
    Grundbuch Bd. Ⅰ, Bl. Nr. 12. In: A. a. O., Blatt 2 RS.

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