Martina Bowen aus Lubsdorf

Als Martina Bowen am 2. November 2012 in Columbus, Georgia (USA) verstarb, veröffentlichten ihre Angehörigen eine Gedenkseite auf www.dignitymemorial.com. Neben vielen privaten Fotos ist auf dieser Seite auch eine alte Ansichtskarte von Lubsdorf abgebildet. Einen weiteren Hinweis auf das Dorf gibt es nicht. Was also hatte Martina Bowen mit Lubsdorf zu tun?

AK Lubsdorf (ca. 1930)
Die Ansichtskarte von Lubsdorf auf der Gedenkseite von Martina Bowen

Nach meinen Erkenntnissen wurde die Verstorbene am 22. Oktober 1922 als Tochter des Lubsdorfer Schullehrers Albert Vinzenz Manthey und seiner Ehefrau Clara geb. Morowski geboren. Sie war das zweite Kind der Familie; ihr Bruder Rudolf Manthey kam am 8. Mai 1921 in Lubsdorf zur Welt, ihre Schwester Dorothea am 9. Februar 1924. Beide Geschwister sind bereits verstorben – Dorothea verschied am 13. April 2004 gleichfalls in Columbus, Georgia, Rudolf im Mai 2008 in Bonn.

Der Lubsdorfer Schullehrer Albert Manthey wurde am 17. März 1891 in Königsgnade geboren, er stammte aus einer Bauernfamilie und hatte sechs Brüder. Nach der Volksschule besuchte er die Präparandenanstalt und das Schullehrerseminar in Deutsch Krone, wo er am 8. März 1913 die Erste Lehrerprüfung ablegte. Nachdem er am 20. April 1918 in Klein Chelm im Kreis Konitz (heute: Małe Chełmy) die zweite Prüfung bestanden hatte, wurde er am 15. Dezember 1918 zum Lehrer in Lubsdorf berufen. Er versah in der dortigen Filialkirche zugleich das Amt des Organisten, wofür er eine jährliche Zulage von 180 Mark erhielt. Im Jahr 1919 heiratete Albert Manthey in Marzdorf Klara Morowski, eine Tochter des Marzdorfer Bauern Franz Morowski.

In den frühen 1930er Jahren trat Albert Manthey in Lubsdorf dem aufkommenden Nationalsozialismus entgegen. Einmal, als der Fraustädter Kreisleiter Georg Fülbier im Dorf sprechen wollte, ließ Manthey laut Kirchenlieder singen, um die Hassparolen der Nazis zu übertönen. Das Dorf Lubsdorf wählte geschlossen die katholische Zentrumspartei und war stolz darauf.

Nach Hitlers Machtergreifung konnte Manthey nicht in Lubsdorf bleiben. Zum 1. Dezember 1933 wurde er als Lehrer und Schulleiter nach Christfelde im Kreis Schlochau versetzt, wo er 1945 das Kriegsende erlebte, kurz in russische Gefangenschaft geriet und dann ausgewiesen wurde. Von 1947 bis 1951 arbeitete er als Lehrer in der Gemeinde Hohenhameln bei Peine. Albert Manthey starb am 7. September 1977 im Bernhard-Krankenhaus in Hildesheim und wurde in Hohenhameln beigesetzt.

Die Postkarte von Lubsdorf, die auf Martina Bowens Gedenkseite abgebildet ist, zeigt neben der bedeutsamen St.-Michaels-Kirche auch den Kolonialwarenladen einer anderen Familie Manthey (es gab vier Manthey-Familien im Dorf) und das Lubsdorfer Schulgebäude, das in den Jahren 1924/25 neu erbaut wurde. Das Gebäude enthielt zwei Klassenräume und zwei Lehrerwohnungen mit den dazugehörigen Gärten. Es war das Elternhaus der Geschwister Manthey.

Nach dem Zweiten Weltkrieg heiratete Martin Manthey den Staff-Sergeant Bowen, der als Besatzungssoldat in Deutschland stationiert war. Auch ihre Schwester Dorothea wählte einen GI zum Ehemann – und so kam es, dass die beiden Schwestern später in den USA lebten. Es ist schön, dass sie auch dort an Lubsdorf dachten.

2 Replies to “Martina Bowen aus Lubsdorf”

  1. Guten Tag, ich heiße Klaus Richter. Meine Mutter Maria Richter geborene Buske ist am 11.04. 1928 in Lubsdorf geboren. Die Mutter hieß Marta Buske. Meine Mutter ist am 14.12.2021 verstorben.

  2. Ich habe ihnen einen Kommentar geschrieben.
    Haben sie noch irgendwelche Erinnerungen von meiner Mutter?
    Mit freundlichen Grüßen Herr Richter

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