30 Mark zum Jubeltag

Am 5. November 1876 feierte der Altsitzer Stephan Robek mit seiner Ehefrau Anna Maria geborene Kluck in Königsgnade Goldene Hochzeit. Dieses Fest war damals recht selten, denn die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes im Deutschen Reich lag bei rund 53 Jahren, die einer Frau sogar bei nur 51,5 Jahren.1Zahlen nach Eine kurze Geschichte der Lebenserwartung. In den agrarischen Ostprovinzen lebte man zwar etwas länger als im industrialisierten Westen, aber dass ein Paar ein halbes Jahrhundert Ehe gemeinsam überlebte, war doch außergewöhnlich.

Zudem war Stephan Robek kein gewöhnlicher Dorfbewohner, sondern ein Sohn des Marzdorfer Bauern Johann Robek, der 1821 Königsgnade mitbegründete. Stephan Robek selbst hatte lange Jahren einen Hof im Dorf bewirtschaftet, den er durch Zukäufe auf staatliche 48,7 Hektar Grundbesitz erweiterte. In den 1840er Jahren hatte er zudem als Schulze der Dorfgemeinschaft vorgestanden.

Schon im August 1876 wies der Marzdorfer Pfarrer Eduard Jakob Krefft das Landratsamt in Deutsch Krone auf die bevorstehende Goldhochzeit hin. Dieser Brief ist heute verloren, aber seine Wirkung können wir durch eine Akte nachvollziehen, die sich heute im Archiwum Państwowe in Koszalin [Köslin] befindet2Akten Specialia des Königlichen Landraths-Amt zu Deutsch Krone betreffend Gnadensachen (1859-1884), AP Koszalin, Rep. 66, Dt. Krone, Nr. 9, Blatt 23-26.. Der damalige Landrat in Deutsch Krone, Freiherr Robert Oskar von Ketelhodt (1836-1908) leitete den Hinweis des Pfarrers an die Regierung in Marienwerder weiter, die ihn am 8. September 1876 beauftragte, die »Bedürftigkeit und Würdigkeit der Robeckschen Eheleute« festzustellen.

An dieser Stelle sei eine Abschweifung zur Schreibweise des Namens Robek erlaubt. Der Name ist eine der spezifischen deutsch-polnischen Hybridschöpfungen, wie sie in der Grenzmark so häufig waren. Es mag ebenso sein, dass der Name auf das Dorf Rohrbeck in Brandenburg zurückgeht, wie dass er sich aus dem polnischen Wort Robak = Wurm ableitet. Im Kirchenbuch von Marzdorf war lange die Schreibweise Robek gebräuchlich, dann schrieb sich der Name plötzlich Robeck und wurde schließlich vom Lehrer Maximilian Rohbeck (* 1864) ganz amtlich-autoritativ um ein h bereichert. Anfangs gab es in Königsgnade drei Bauernfamilien dieses Namens – Joseph, Lorenz und Stephan –, dann nur noch zwei, denn Lorenz erbte vor 1850 den Besitz seines Bruders Joseph und war nun Doppelbauernhofbesitzer. Durch ein Feuer im Jahr 1870 ging dieser Besitz wieder verloren und 1945 gab es im Dorf nur noch einen Bauernhof im Besitz der Familie Robeck, die jedoch zusätzlich zwei Kleinbauernstellen und den Dorfgasthof besaß. So weit dazu …

Zurück ins Jahr 1876 … – Das Landratsamt in Deutsch Krone konnte die Anfrage der Regierung nicht selbst beantworten, sondern leitete sie weiter an den Gutsinspektor und stellvertretenden Amtsvorsteher von Marzdorf, F. Smalian, der am 18. September 1876 wie folgt antwortete:

»Dem Königl. Landraths-Amte theile ich auf umseitige geehrte Verfügung ergebenst mit, daß der Bauernaltsitzer Stephan Rohbeck [sic!] in Königsgnade allerdings ein Leibgedinge bezieht, von dem er leben kann, daß es aber trotzdem sehr wünschenswerth sein würde, wenn derselbe zu der bevorstehenden Feierlichkeit seiner goldenen Hochzeit ein Gnadengeschenk zur Bestreitung der mit dieser Feierlichkeit verbundenen Kosten erhielte. In Betreff der Würdigkeit der Rohbeckschen Eheleute kann ich nur mittheilen, daß dieselben durch ihre Führung und ihr Verhalten entschieden eine Berücksichtigung verdienen.«3Akten Specialia …, AP Koszalin, Rep. 66, Dt. Krone, Blatt 24.

Diese Antwort leitete das Landratsamt an die »Abtheilung des Inneren« der Regierung zu Marienwerder weiter, die daraufhin am 9. Oktober 1876 mitteilte,

»daß wir dem Altsitzer Robekschen Eheleuten zu Königsgnade anläßlich ihrer am 5. November stattfindenden goldenen Hochzeitsfeier ein Gnadengeschenk von 30 Mk. im Namen Seiner Majestät des Kaisers und Königs bewilligt haben und den Betrag dem Pfarrer Krefft zu Marzdorf zur weiteren Übermittlung an das Jubelpaar übersenden werden.«4Akten Specialia …, AP Koszalin, Rep. 66, Dt. Krone, Blatt 26.

Abb: Anweisung über 30 Mk zur Jubelfeier

Wir können nur hoffen, dass es eine gelungene Feier war … – Abschließend sei eine Bemerkung zur Ehefrau erlaubt, die in den Akten nirgends benannt wird. Anna Maria Robek war eine Tochter des Marzdorfer Bauern Michael Kluck. Aus ihrer Ehe mit Stephan Robek sind drei Kinder bekannt: Johann, geboren am 11. September 1827; Stephan, geboren am 23. Januar 1830 und Anna Rosalia, geboren am 23. August 1832. Bei der Hochzeit am 5. November 1826 hießen die Trauzeugen Lorenz Morowski (Schulze in Marzdorf) und Michael Schmitt (Krüger ebenda).

Anmerkungen:

  • 1
  • 2
    Akten Specialia des Königlichen Landraths-Amt zu Deutsch Krone betreffend Gnadensachen (1859-1884), AP Koszalin, Rep. 66, Dt. Krone, Nr. 9, Blatt 23-26.
  • 3
    Akten Specialia …, AP Koszalin, Rep. 66, Dt. Krone, Blatt 24.
  • 4
    Akten Specialia …, AP Koszalin, Rep. 66, Dt. Krone, Blatt 26.

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